mataharakiri

Was für ein schönes Buch! Wie fließend die Sprache, wie leicht, wie ironisch und lustig und nie boshaft. ‚Der Trafikant‘, von Robert Seethaler.

Verabredung in Wiesbaden. Neugierig. Nervös vielleicht auch. Aber es ist gänzlich unverkrampft und lustig. Glühwein rot/weiß. Zurück um 22 Uhr und endlich mal wieder zufrieden. So wenig braucht es dazu: Ein gutes Buch und eine klein bisschen Freude.

Im Schwimmbad. Ich will mir ja jetzt nicht diese ganzen Kilo wieder drauf fressen. Eitler Sack, zieh einfach deine Bahnen! Nein, es ist auch ein bisschen wegen der Schulter. Ehrlich. Und die Schulter ist eindeutig wieder lockerer.

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für mataharakiri

harpune

Vor Monaten:

Mein Flug geht in zehn Minuten
Zuhause wartet das alte Leben mit dem Essen
am Ende der Woche wird sie mich verlassen
um da zu sein, wo ich nicht bin
ich sitze auf einem Stuhl
hinter der Raucherkabine
Zehn Minuten sind vorbei

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für harpune

ausgefranzt

Biorhythmus im Eimer. Tolle Wurst! Von acht Stunden Schlaf habe ich zuletzt nur geträumt.

Montag Abend auf der Autobahn nach Köln. Dienstag Nachmittag im Zug nach Frankfurt. Abends in der Jahrhunderthalle beim Kraftwerk-Konzert. Mittwoch morgen um viertel vor sechs im Zug nach Köln. Am Flughafen steigen eine Pilotin und ein Pilot von der Lufthansa ein. Ich male Zeichen auf dem Computer und höre zu, als die Pilotin eine Geschichte erzählt:
Freunde von ihr sind mit ihrem Hund ein paar Tage in Paris. Aus Neugier gehen sie in eine Louis Vuitton Boutique, entschließen sich kurzerhand eine Tasche zu kaufen. Einen Tag vor der Abreise stirbt der Hund. Sie wollen die Hundeleiche natürlich nicht irgendwo in Paris lassen. Es soll ein ordentliches Begräbnis werden, am besten im eigenen Garten. Sie packen den Kadaver also in die Louis Vuitton Tasche und gehen zum Bahnhof. Sie fühlen sich unwohl, aber anders geht es nicht.
Als sie in Frankfurt ankommen und ihre Sachen zusammensuchen stellen sie fest: Die Tasche wurde geklaut. Der Hund auch!

12338696_882937401824679_1558462754_n

Abends erst in einer Kneipe in Nippes, dann mit Carsten auf einen Wein in der Stadt.
Danach saufen wir noch die Minibar in meinem Hotelzimmer leer. Donnerstag Nachmittag mit dem Zug zum Frankfurter Flughafen. Wir stehen am Gleis und warten auf den Zug. Unterhalten uns, als ich realisiere, wir sollten schon längst im Zug sitzen und Unterwegs sein. Mein Kollege sagt, da war eben ein Zug, aber der ist weggefahren. Für eine halbe Stunde denken wir, der Zug ist uns vor der Nase weggefahren und wir warten auf den nächsten. Schließlich erscheint auf der Anzeigetafel die Nachricht, dass der Zug 35 Minuten Verspätung hat. Och, alles gut! Am Flughafen raus, zwölf Kilometer wandern, Gürtel ausziehen, Computer raus und Flüssigkeiten auch. Glücklicherweise war ich vorher auf der Toilette. Dann mit einem Bus vom Gate bis ungefähr Mannheim, um mit einer winzigen Maschine nach Sofia zu fliegen. Ankunft irgendwann nach zehn Uhr. Am nächsten Morgen: Plattenbauten. Runtergekommene Plattenbauten. Ich frage mich, was die Reste des Kommunismus an Trostlosigkeit unterbieten könnte. Und dazwischen diese aufgetakelten Menschen, die sich an den westlichen Chique ran wanzen. Das können sie alle, denke ich und hau mir gleich auf die Finger: kann jeder machen was er will. Reg dich ab! Und ich rege mich ab. Nachmittags zurück zum Flughafen. Wieder so ein Mini-Maschine. Frankfurt. Mit der U-Bahn nach Hause und es fühlt sich komisch an. Als hätte ich hier etwas liegen lassen, an dem ich noch ein wenig tüfteln muss.

Gestern rausgefunden, dass „tüfteln“ an Sachen rumwursteln und grübeln gleichermaßen bedeutet. Na dann. Auch gut!

 

 

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für ausgefranzt

firlefanz

Nach 44 Jahren Haft betritt Otis Johnson den Times Square und denkt all Menschen wären beim CIA. „Sie hatten alle diese Kabel im Ohr und redeten mit sich selbst.“ Ansonsten probiert er diese verrückten Nahrungsmittel, die sie heute in die Supermärkte stellen, der Reihe nach aus. „Pinke und blaue Getränke! Kannst du dir das vorstellen?“

Jetzt geht’s eigentlich wieder. Aber dann kommt nochmal so eine Nacht mit wenig Schlaf oder ein Tag an dem nichts ekliger ist als essen. Als würde ich das in der dritten Person durchleben, weise ich mich dann zurecht. Und dann geht’s wieder besser. Diese besseren Abschnitte werden zum Glück immer länger.

Den Shteyngart habe ich durchgelesen. Letztendlich ein unterhaltsames Buch.

Zuletzt besuchte Städte: Düsseldorf, Wien, Dresden, Wolfsburg, Nürnberg, Erlangen, Woking, London. Und nächste Woche? Köln und Sofia.
Ich benötige mehr Faltpläne!

 

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für firlefanz

bargeld

Wenn es ein Steigerungsform für „absurd‟ gäbe, wäre es das, was ich mir so ein meinem Kopf ausmale.

Es ist 15 Uhr vielleicht. Wir sind auf Autobahn irgendwo zwischen Salzgitter und Göttingen. Die Sonne brät ihre 1,5°-C-Strahlen auf den Asphalt und mir mitten in die Fresse. So ist’s recht.

 

 

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für bargeld

la café

3 GB Daten kopieren. Über WiFi 35 Minuten. Per Netzwerkkabel 2 Minuten.

Mittwoch Nachmittag, laufen. Erst zwei Runden im Huthpark, dann oben am BGU vorbei, über die A661, wo die Autos mehr oder weniger stehen. Froh heute mal nicht dabei zu sein. Beim Blumenkiosk links rein, den Bodenweg runter, dann den Wasserleitungsweg. Neben dem Katharinenkrankehaus mit dem schönen Avant-Garde-Gothic-Design auf die Seckbacher Landstraße. Wieder über die 661. Die Autos stehen immer noch. Am Ende, denke ich mir, jetzt den ganzen Ärger in einen Sprint den Heimgarten hoch legen. Wenn ich es nicht bis vor die Haustür schaffe, dann eben nicht. Aber es geht wie von selbst. Alles geht leichter, weil ich leichter bin. Ich komme mir unglaublich schnell vor, stelle mir aber im gleichen Moment vor, wie jemand den Sprint auf Video festhält und ich in Wirklichkeit nicht schneller als 11 km/h laufe.

Am nächsten Morgen schwimmen. Ich war seit dem Frühjahr nicht richtig schwimmen. In der Umkleide betrachte ich meine Hühnerbrust im Spiegel. Haut. Ich drücke eine Brustwarze zusammen. Als ich loslasse, bleibt sie so. Jünger wird man in diesem Alter nicht mehr. Nach dem schwimmen sind die Muskeln ein bisschen durchblutet und plötzlich ist die Brust zumindest straff, wenn auch weiter huhnhaft. Atilla der Huhnenkönig.

Freitag ein langer Nachmittag im Squaire zu einem Kundentermin. Oh Mann, was wir so alles schön finden. Diesen Ort, den Namen wahrscheinlich, Flugzeuge, Autos, Handys, Germany, German sein. Und ich denke, wer glaubt eigentlich, dass die westliche Welt ihre gesellschaftlichen Fortschritte wegen technischer Errungenschaften gemacht hat. Fast alle, oder? Wir lernen alles über den Buchdruck, die Dampfmaschine und Apple. Aber was die Unterschiede zwischen Popper, Locke, Kant und Voltaire sind und wie ihr Denken die jeweiligen Gesellschaften widerspiegelte und bis heute beeinflusst? Das hat doch mehr Kraft als eine schnöde Dampfmaschine! Aber das ist nicht zählbar, nicht wahr? Dabei wäre es an der Zeit in das Denken und das Verständnis davon zu investieren statt Waffen aufzurüsten. Es gibt echt genug Ingenieure und genug nützliches Werkzeug. Es wäre zum Beispiel, mal an der Zeit das Denken des Ostens zu verstehen. Das regelt der Markt nicht. Der Markt ist nur schnell, er schafft aber nichts substantielles. Und so siecht die Gesellschaft dahin und gibt sich wieder mal den beknackten rechten Kräften preis, die lösbare Lösungen wollen. Zählbares. Etwas, das man als abgeschlossen, rein und fertig bezeichnen kann. Endlösbar, sozusagen. Wahnsinn! Wissen wir längst, dass das nicht geht. Und wir, der Rest, gucken zu, wie sie sich diese ganze Abendländische Kultur einverleiben. Schon wieder!
Und dann erkläre ich dem Kunden, wie Schriften auf Bildschirmen und warum und so.
Dann denke ich: Schland ist doch nicht Schland weil jeder jeden Tag pünktlich zur Arbeit erscheint. Dass das aber in Schland irgendwie wichtig ist, hat Gründe, die man nicht mehr hinterfragt. Und dann fahr ich heim.
Dann ist Samstag Morgen und ich schwimme wieder und denke nicht besonders viel. Eigentlich gar nicht. Denke vielleicht an Descartes. Och René, denke ich dann, so ganz ohne denken bin ich aber auch. Und jetzt?
Dann tauche ich kurz unter, bis ich wieder atmen muss. Ist auch immer das gleiche…

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für la café

ponderotza

Drei Wochen:
Erste Woche, ein paar Stiche.
Zweite Woche, die Attentate.
Dritte Woche, Albtraum.

Nächste Woche dann also Schnee.

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für ponderotza

wahnhinweis

Im Tagesspiegel dieser schöne Artikel über den Spanier Carlos Sanchez Ortiz De Salazar, der sich seit 20 Jahren in den Wäldern der Toskana versteckt hält, vor kurzem zwar gefunden wurde, sich aber nun wieder versteckt hat.

Ich starre auf das Bild, bin überrascht davon wie nah ich mich ihm fühle. Und ich scheine nicht der einzige zu sein. Die Empathie, die der Autor, der Bürgermeister und die Eltern dem Mann entgegenbringen, bringen mich zum weinen.
Warum ist das so? Warum haben wir Verständnis für Ortiz? Warum ist sein Wahn uns so vertraut? Ist er nicht immer um uns herum?

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für wahnhinweis

haarriss

Wo bin ich?
Wir ziehen um, innerhalb der Wohnung. Ich kann hier nicht mehr sein, solange alles ist wie es war. Aber leider: so ist es nicht gut und so nicht. Jetzt ist es gut – zumindest besser.
Der Kindergeburtstag. H. hat Läuse. Oder war das eine vor dem anderen? Wo ist denn überhaupt die Zeit? 10 Minuten einwirken lassen, dann aufschäumen, ausspülen und die Haare kämmen. Ich will ein Rhodes Piano sein oder eins besitzen. Eins, das so alt ist wie ich, das so warm und so schrill klingt wie meine Knochen, bei dem eine Taste nicht mehr funktioniert und dessen Bass gelegentlich, wenn man feste drauf haut, verzerrt, wie meine Lungen zerren, wenn ich schreie oder renne. So. Und vielleicht klappt das. Vielleicht.

Jetzt bin ich schon auf dem Weg nach London. Mein Flug wurde annulliert, ich nehme den, der sehr früh geht und stehe auf der Warteliste. 20 Minuten vor Abflug heißt es: alle können mit. Dann hänge ich zwei Stunden in Heathrow rum. Später werde ich von einem Fahrer abgeholt. Er bringt mich nach Woking. Ich sitze für 2 weitere Stunden in einem Café. Dann holt mich C. ab und wir setzen uns für 30 Minuten in einen Pub. Dann endlich der Termin. Danach nach Gatwick: tanken und Mietwagenrückgabe. Zugticket kaufen, warten, einsteigen, vorbei an East Croydon nach London Bridge. Taxi zum Hotel. Einchecken. 30 Minuten später um die Ecke zum Inder. N. kommt dazu.

Am nächsten Morgen 7:30 auschecken. Zum Frühstück mit J., dann in die Brick Lane zur Ausstellung. Bilder kriechen aus dem Gedächtnis vor mein inneres Auge. Ich verkrieche mich hinter einer Wand und versuche mich darauf zu konzentrieren auf Emails zu antworten. J. lacht, die Absurdität dieses komischen Arbeitslebens. Ich lache. Wir machen Geräusche. Ein Wagen bringt C. und mich nach Paddington, der Heathrow Express bringt uns von Paddington nach Heathrow. Warten auf den Abflug. Ankunft in München. Mietwagen abholen und nach Ingolstadt fahren. Hotel. Wir treffen uns für ein Stündchen auf ein Bierchen. Danach fallen. Es tut alles heftig weh. London und diese hässlichen bayrischen Industriegebiete! Wieder eine Kacknacht bevor es nach Nürnberg, dann Erlangen, dann zurück nach Nürnberg geht. Ich verabschiede mich von C. Wenn sie nicht wäre, wäre das alles noch viel beschissener. 30 Minuten warten auf den ICE. Der Schmerz lässt nach, die Erinnerungen gehen langsam weg. Acht Minuten Verspätung. 20 vor acht Frankfurt Hauptbahnhof. Endlich, endlich, endlich.

 

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für haarriss

prominent

Salonfähiger Antisemitismus. Begriffe wie Halb- oder Volljude werden „ohne böse Hintergedanken“ im öffentlichen Diskurs benutzt. Wir müssen uns warm anziehen, sagt M.

Ich fahre den Oeder Weg hoch, bleib an der Ampel stehen. Gerade fängt „I turn my camera on“ an auf meinem Radio zu spielen. Das Leben fängt von vorne an, es ist, als ob ich das Lied zum ersten mal höre. Ich drehe die Lautstärke auf. Jeder Snareschlag eine Aufmunterung. Hinter mir kommt ein Radfahrer. Er hält an und fängt an heftig zum Rhythmus zu tanzen. Ich muss an Flo denken. Man weiß nie wann und wo Gemeinsamkeit entsteht, wie das kleine Glück kommt und sich wieder verflüchtigt. Ich wäre am liebsten ausgestiegen und hätte ihn umarmt. Aber das geht ja nun auch nicht.

In Wien. Gelaufen, gelaufen, gelaufen und gelaufen. Hoch und runter die Querstraßen zur Mariahilf und die Nase in Richtung Sonne gestreckt. Die letzten warmen Strahlen des Jahres vielleicht. Benommen am letzten Tag. Nichts mehr gesehen und nichts mehr gespürt nur an die Heimkehr gedacht und an die Kälte, die mich erwarten sollte. So kalt war es dann nicht. Aber war diese halbe Wärme nur Höflichkeit? Waren es nur Floskeln? Man muss das wohl so verstehen.

Veröffentlicht unter Blog | Kommentare deaktiviert für prominent