schaltkrise

Eine einsame Haltestelle in Salfords. Morgens steigen ein Dutzend Leute aus, klettern über die Brücke, schleichen am alten, zugewucherten „Monotype Works“ Schild vorbei auf den schlammigen Schleichweg. Ein Paar kürzen über einen Bolzplatz ab, zwängen sich am anderen Ende durch eine schmale Öffnung im Zaun. Niemand redet, jeder geht auf ein anderes Bürogebäude zu. Im Büro, angenehme Ruhe. Nur ab und zu ein englischsprachiges Gemurmel. Wie eintönig dagegen der amerikanische Akzent klingt. Nach einer Weile finden die deutschen Kollegen die Nummer von dem Telefon heraus das auf dem Tisch steht, an dem ich sitze. Die Briten machen sich lustig als es wieder und wieder klingelt. Man versteht und bewundert ihren Humor, aber nicht, warum es zwei Wasserhähne für kalt und heiß gibt.

 

Abends zurück ins Hotel nach Croydon – bisschen was arbeiten, bisschen was essen, bisschen üben. Müde. Früh ins Bett.

Wieder zurück. Die Pläne laufen aus dem Ruder und trotz der Tatsache, dass ich Urlaub habe, erwartet man, dass ich meine Emails lese und ruft mich an. „Aber jetzt genieße du mal deinen Urlaub.“ „Klar, mach ich!“ Ich brauche jetzt eine Überweisung, also gehe ich zu Dr. H., meinen Hausarzt. Das letzte Mal als ich krank war konnte er mich nicht behandeln, weil seine Praxis auf Grund von Krankheit geschlossen war. Ich stehe also vor der Praxis, klingele. Ein Mal, zwei Mal, Schritt zurück, in die Fenster schauen, nichts zu sehen, die Öffnungszeiten auf dem Schild am Haus zeigen aber an, dass die Praxis geöffnet sein sollte. Ich will gehen, da hält ein Auto vor mir und die Fahrerin ruft: „Entschuldigung!“ durch das geöffnete Beifahrerfenster. „Ja, bitte“, sage ich und beuge mich runter, damit ich sie sehen kann. Eine mittelalte Frau mit freundlichem Gesicht und großen Zähnen lächelt mich an. Auf dem Rücksitz zwei kleine Kinder in ihren Kindersitzen. „Die Praxis ist geschlossen.“ lächelt sie, „Mein Mann ist verstorben.“ Ich habe Mühe zu folgen, frage mich, sind das ihre, also auch seine Kinder? Dafür ist sie aber zu alt. Dann war es wohl eine üble Krankheit, weshalb er vor fast zwei Jahren nicht konnte. Und warum ist das Auto lila? Dann stammelt es aus mir raus: „Ou! Das tut mir sehr leid.“ „Machen Sie sich keine Sorgen“, sagt sie, „es ist alles okay.“ und fährt weiter. Ich hätte ihr gern gesagt, dass ich ihrem Mann immer gern begegnet bin und mich sehr gut behandelt gefühlt habe. Aber womöglich hatte sie nicht gerade große Lust von einem Fremden zu hören wie ihr Mann so war. Was weiß ich schon?!

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