die penetrante abbruchkante

H. ist krank. Wir gehen dennoch in die Epiphaniaskirche zur Generalprobe von Cs Chor. Über uns: „Kumma Oggelpfeifen!“ Vor uns ein Orchester, dahinter ein Chor und Holzblasinstrumente. Von Charles Ives‘ „Unanswered Question“ ist man gleich ergriffen. Ich beneide die Musiker. Ich schäme mich, dass ich nie gelernt habe vom Blatt oder eins dieser wunderschönen Instrumente zu spielen. Wäre gern in der Lage solche Geräusche zu erzeugen, in einem solchen Ensemble zu sitzen und Teil dieses erhabenen Tons zu sein. Dann wieder sehen manche einfach nur stumpf aus. „Kann das sein?“, fragt man sich automatisch.
Hugo ist völlig entspannt und trotz seiner Krankheit hört er aufmerksam zu, sagt nur ab und zu den Namen eines Instruments, dass er erkennt. „Kumma, Bratsche“, sagt er, als der Solo-Bratschist aufsteht um ein Solo zu spielen. „Ja,“ sage ich, „ganz ähnlich sieht die aus. Das aber ist eine Geige.“ Erst kurz vor Schluss gehen wir, weil das Fieber wieder ansteigt.

Am nächsten Tag die Aufführung. Viele Freunde sind da. „in Ketchup und Quark“ singt der Chor, was natürlich „in Knechtschaft und Quark“ heißen muss. Nein, Schmach, es muss Schmach heißen. „Dann singt es doch“, sage ich und Lotte brät mir eins über.

Im Traum sitze ich mit jemandem auf einem Treppenabsatz in einem Hauseingang. Es sieht aus wie in Paris in dem viertel Unterhalb von Sacre Core, wo Picasso als junger Student gemeinsam mit anderen Studenten sein Atelier in einer Barakke hatte. Plötzlich joggt er vorbei. Ich bin irritiert, zu langsam, um ihn anzusprechen. Kurze Zeit später kommt er wieder vorbei. Ich spreche ihn an, im Laufen sagt er, er komme wieder vorbei, schließlich sei seine Joggingrunde nur 1,2 km lang.

Am Donnerstag zur Buchpräsentation der Reproduktion des „Handbuchs der Typographie“ von Gaimbattista Bodoni. Ich lerne was über klassizistische Typographen. Garamond und Jenson, Baskerville und Didot, Bodoni und Caslon, oder so. Die Typen gibt es natürlich auch alle als Schriften! Ha!

Am Freitag dann Weltpremiere im Antiquariat Schutt! Jan Seghers und das Heine Quartett. Es ist  wundervoll. Die Texte und die Musik sind vorzüglich ausgesucht. Das Quartett ist gut eingespielt. Es ist so umwerfend, man ist keine Minute abgelenkt und im Stande sich gut eineinhalb Stunden auf den Text und die Musik zu konzentrieren. Das schafft bei mir auch nicht jeder. Nur manchmal frage ich mich, ob ich, da wo ich sitze (in der 3. Reihe genau vor dem Quartett), nicht zu dicht an der Musik bin. Dann nämlich, wenn der Text weitergeht und die Streicher Läufe und Triller spielen. Und dann wird mir der Mut bewusst, den die fünf da an den Tag legen. Nur eine minimale Unabgestimmtheit und schon ist das Ganze in Gefahr falsch zu laufen. Chapeau!

Auch lustig: Ich fahre wie jeden Morgen nach Bad Homburg, will einparken. Da erkenne ich einen Mann, es ist der Bratschist aus dem Epiphaniasorchester. Er schlappt solo, mit einem Koffer in der Hand über den Parkplatz und geht ins Lilly-Gebäude.

Ein weiterer Traum. Zu Besuch bei C. und G.. Den Rückweg können wir nicht ohne Probleme antreten. Alles voller Nazis. Es scheint darum zu gehen, dass mein Haar gelockt ist. Ich senke den Blick, bin passiv. Lotte nimmt die Organisation unserer Flucht in die Hand. Irgendwann wach. Buäh, buäh, buäh!

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