Tages-Archive: September 20, 2008
reisen & putzen

Wo war das nochmal? Wann war das? In Leningrad. Wo der Mann in Armeejacke und -hose, dem sie die Unterbeine amputiert hatten, der jetzt seinen Rollstuhl durch das Geröll wuchtete, sich in eine Ecke verkroch um in hohem Bogen aus seinem Rollstuhl heraus gegen einen schönen alten Zaun zu pinkeln. Gejuckt hat den das nicht, als ich hinter ihm vorbei ging und “Afghanistan” dachte. Und den Herrn Lenin hat das auch nicht interessiert, als ich sagte: ”Siehst aus wie der heimliche Liebhaber der Freiheitsstatue, Mann!”. Er stand vor einem Palast und streckte ungerührt den Arm aus und sein Mantel schien zu wehen. Aber vielleicht war das einfach so, als man ihn in Metall goss. Und am Flughafen, waren die Vorhänge der Polizeibüros vergilbt, die Beamten streng. Fünfzehn Minuten haben sie meinen Pass angeschaut, weil sie dachten er sei gefälscht. Erst mein deutscher Führerschein konnte sie davon überzeugen, dass ich ich bin. Und dann war da St. Petersburg, wo die Neureichen mit den abgedunkelten Scheiben ihrer deutschen Wagen um die Ecke kommen. Wo sie alle versuchen westlich zu sein und so zu tun, als hätten sie’s erfunden. Wo Geschmacksverirrungen kein müdes Lächeln wert sind, sondern State of the Art. Petersburg ist auch da, wo man nicht so freundlich ist. Ist einfach so. Und es ist die Stadt, die Amsterdam nachempfunden sein soll. Aber es ist Petersburg. Da wo sich Frauen scheinbar gerne mit Pumps und aufgeklebten Wimpern uniformieren. Aber selbst das bringt sie nicht zum lächeln. Und die dazugehörigen Arschlöcher ebenso wenig.

Schade, jetzt dachte ich doch glatt, dass ein paar Banken kaputt gehen, aber da kommen schon die Staaten angehuscht und helfen aus. Was kostet die nochmal die Bildung oder so ein ähnlicher Quatsch, den kein Mensch braucht? Entwicklungshilfe oder sowas.
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