Monats-Archive: September 2008
ganz leicht oder vorbei
Rechts gehen die Links wieder.
Zu fünft eine schöne, schöne Runde am Samstag. Jahreszeitenbedingt in guter Form. Mein Körper sagt: Die beste Zeit für Sport ist von Ende August bis Ende September. Dann Mitte Oktober böses Erwachen. Bei mir hat sich das nach dem Fußballquatsch eingestellt. Da ist die Saisonvorbereitung von Anfang Juli bis August. Dann fängt die Saison an und man erreicht seinen ersten Formhöhepunkt im September. Drei – vier gute Spiele, dann geht es langsam wieder bergab. So hätte ich also als Radfahrer gar keine Chance gehabt. Es wäre schon alles vorbei gewesen, bevor ich in Fahrt gekommen wäre.
Ansonsten: Behördengänge, Auto und…
Das Bandnamenrätselraten geht weiter. Bitte, liebe Leser, beteiligt euch per email oder per Kommentarfeld! Danke.
beatbox ben
Jojo Mayer & Nerve. Kann einen ganz schön nerven. Ist überhaupt kein Versuch Drum and Bass zu sein. Klingt eher nach sehr schnellem Fusion. So wie Mahavishnu Orchestra dreißig Jahre nach vorne gespult und ohne John McLaughlin. Am besten finde ich Jojo Mayers Traditional-Grip. Das sieht so gut aus, wenn er dann auch noch schnell spielt.
palindrom
So schlimm wie es sich liest, fand ich St. Petersburg garnicht. Sehr schön ist die Architektur. Unglaublich schön eigentlich.
Meine erste Band war eine Bluesband, die sich Blues Incorporated nannte oder kurz Blues Inc.. So ziemlich das beknackteste, was man 1989 auf die Beine stellen konnte war eine Bluesband. Ich war vierzehn, ich war Bassist, hatte gerade erst angefangen zu spielen. Christian hatte mich überredet. Er gab mir seinen Bass und sagte: So die und die Stellen musst du greifen und jetzt die Saite anschnippen. Ich hab’s irgendwie hingemurkst. Er: Gut, du musst das am Sonntag spielen. in Dautphe.
Und dann spielten wir in Dautphe auf der Schutzhütte auf einer Bühne, Sachen wie “Another Brick in the Wall” und “Cocain” und einen Blues auf C. Nikolai rief mir immer irgendwelche Töne zu “Nein F!”, aber das sagte mir nichts. Dritter Bund auf der dritten Saite oder erster Bund auf der ersten Saite, hätte mehr gebracht. Was wusste ich schon von F? Irgendwie ging es vorbei und irgendwie war ich jetzt Bandmitglied. Beim Blues lernt man sehr gut und man bekommt ziemlich eindeutig einen Eindruck davon was man machen darf und was nicht. Meine Bandkollegen haben mich gehasst, weil ich dauernd irgendwas gemacht habe, was nicht ging. Ich hatte ja keine Ahnung, was sollte ich machen?
Schöne Probe in Heddernheim. Ohrenstöpsel ausprobiert. Viel zu leise. Funktioniert einigermaßen, wenn ich sie halb rausziehe. Dezibel ist eine logarithmische Einheit, sagt Thomas. Deswegen ist der Unterschied von 10 db auf 5 db extremer als von 6 db auf 3 db. Ich will meinen Besuchern diese Information nicht vorenthalten.
Mittags laufen im Park. Hab echte Mühe in Tritt zu kommen. Komisch, dachte eigentlich, 10 Stunden Schlaf seien genug. Alles geträumt was wohl wie sein wird. Sein ganzes Leben von der Geburt bis ins hohe Alter. Ob er das Jahr 2100 noch erleben wird? Ob das irgendwie alles gutgeht? Du hast so viel geschnarcht, sagte Lotte. Die trockene Luft, der Flug, keinen Sport. Ich geh heut Mittag laufen, dann hast du morgen Nacht Ruhe. Alles Liebe, Ati.
reisen & putzen

Wo war das nochmal? Wann war das? In Leningrad. Wo der Mann in Armeejacke und -hose, dem sie die Unterbeine amputiert hatten, der jetzt seinen Rollstuhl durch das Geröll wuchtete, sich in eine Ecke verkroch um in hohem Bogen aus seinem Rollstuhl heraus gegen einen schönen alten Zaun zu pinkeln. Gejuckt hat den das nicht, als ich hinter ihm vorbei ging und “Afghanistan” dachte. Und den Herrn Lenin hat das auch nicht interessiert, als ich sagte: ”Siehst aus wie der heimliche Liebhaber der Freiheitsstatue, Mann!”. Er stand vor einem Palast und streckte ungerührt den Arm aus und sein Mantel schien zu wehen. Aber vielleicht war das einfach so, als man ihn in Metall goss. Und am Flughafen, waren die Vorhänge der Polizeibüros vergilbt, die Beamten streng. Fünfzehn Minuten haben sie meinen Pass angeschaut, weil sie dachten er sei gefälscht. Erst mein deutscher Führerschein konnte sie davon überzeugen, dass ich ich bin. Und dann war da St. Petersburg, wo die Neureichen mit den abgedunkelten Scheiben ihrer deutschen Wagen um die Ecke kommen. Wo sie alle versuchen westlich zu sein und so zu tun, als hätten sie’s erfunden. Wo Geschmacksverirrungen kein müdes Lächeln wert sind, sondern State of the Art. Petersburg ist auch da, wo man nicht so freundlich ist. Ist einfach so. Und es ist die Stadt, die Amsterdam nachempfunden sein soll. Aber es ist Petersburg. Da wo sich Frauen scheinbar gerne mit Pumps und aufgeklebten Wimpern uniformieren. Aber selbst das bringt sie nicht zum lächeln. Und die dazugehörigen Arschlöcher ebenso wenig.

Schade, jetzt dachte ich doch glatt, dass ein paar Banken kaputt gehen, aber da kommen schon die Staaten angehuscht und helfen aus. Was kostet die nochmal die Bildung oder so ein ähnlicher Quatsch, den kein Mensch braucht? Entwicklungshilfe oder sowas.
Neues von XING:
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das wirrwarr der sprachen
Gut und Böse lassen sich gerade gut unterscheiden. Zumindest von hier aus. Merke wie ich auf schöne Dinge anspringe und die anderen nicht nur vor mir her, sondern am liebsten endlich mal von mir wegschieben würde. Aber, naja, nu’ ach – wollen wa’ ma’ kein großes Fass aufmachen. Vielleicht reicht ja ein ordentliches Besäufnis mit kleinem Fass? Regt zumindest meine Phantasie gerade an.
Durch die Einladung verschiedener Kollegen und Freunde bin ich in etlichen solcher Social-Network-Seiten. XING, LinkedIn, Plaxo Pulse, was weiß ich was. Meine Seiten sind runtergekommen, weil ich mich nicht darum kümmere. Deswegen geht keiner auf meine Seiten. Sehr selten, aber doch immer mal wieder bekomme ich Statusemails, dass sich ein Besucher auf meine Seite verirrt hat. Ein bestimmter Kollege, von dem die Geschichte hier auch handelt, ist mit mir über XING verbunden. Niemand kommt auf meine XING-Seite, weil da – wie bei den anderen Diensten auch – nix steht, denn es steht ja alles hier. Der Kollege, jedenfalls hat er mir vor einiger Zeit aufgezählt, welche der Kollegen nicht mehr im Unternehmen arbeiten wollen. Das wisse er genau, er habe sich einfach die XING Profile angeschaut und dort könne man sehen, ob jemand Interesse an anderen Jobs habe oder nicht. Tatsächlich hat einer der Kollegen, die er genannt hat irgendwann später gekündigt. Allerdings hat er zu jederzeit offen darüber geredet, dass er gehen wolle und wer sich angeschaut hat, wie sein Arbeitsumfeld war, den hat das nicht sonderlich überrascht.
Wie bereits beschrieben gibt es keine Besucher auf meiner Seite. Nie oder nur ganz selten. Und jetzt bin ich mir ziemlich sicher warum überhaupt jemand meine Seite besucht.
Meistens bin ich schlecht gelaunt wenn ich im Büro bin. Aber manchmal lächle ich. Das ist der Normalzustand. Vielleicht heuchle ich so auch Professionalität. Wenn ich nicht lächle, bin ich auch sonst schlecht gelaunt und nicht nur auf der Arbeit. Immer wenn ich merke: “Scheiße, miese Laune, so’n Mist”, bekomme ich eine Email von XING:
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Tja, da muss ich ma’ lachen.
museum für angewandte sachen
Mittwoch, SV Fußball im Grüneburgpark. Hinjoggen, spielen, Tritt gegen das Schienbein, mit Beule heimjoggen. “Echt, ich hab dich getroffen? Komisch, ich habe gar nichts gemerkt!”
Donnerstag in Bad Nauheim. Micha sagt, ich solle mal was über unser Donnerstagsgekicke schreiben. Irgendwo muss es doch verewigt werden. Emotionen wie bei einem Weltmeisterschaftsfinale. Hm. Ist doch sowieso schon alles Fußball.
Freitagmorgen. Matthi mit dem Pinarello. Runde durch die Wetterau. Früh zurück, früh stück. Alle Wechsel, die jetzt anstehen – anstehen könnten. Ich bekomme die Jopggingschuhe und lasse mir einen Abdruck von meinen Ohren machen. Schnell in den Baumarkt wegen Multiplex. Nicht vorhanden. Am nächsten Tag dann beginne ich mit dem Schuhschrank. Sägen, schrauben. Pause. Nehme Basso und fahre zum Museumsuferfest, Ben spielt da mit Ganeffs Bande. Thomas kommt vorbei. Wir freuen uns. Wieder zuhause, weiter am Schuhschrank. Abends ist der Rohbau fertig. Beeilung, es geht zu Marschall Kropp! Köstliches Essen, International Pony, Kippenberger, KOZE, halbe Zigarette, einzwei Bier, Schwindel. Morgens um sechs aufstehen. Um acht in Bonames an der alten Niddabrücke. Über das Depot in den Taunus. Achtzig Kilometer, sagt Geppetto, hundertzehn sollen es am Ende gewesen sein. Kaum eine Runde, die so schön dreißig Kilometer länger war, außer die von vor zwei Wochen, die war auch schöne dreißig Kilometer länger als angekündigt. Erwischt hat es mich trotzdem, am Ruppertshainer brennen die Oberschenkel. Luft ist okay, Schenkel no way! Auf Matthis Empfehlung hin nehme ich ein Bad. Liege da wie Karpfen vielleicht. Danach geht es besser. Es folgt ein kleines Nickerchen. Am frühen Abend Christoph am Telefon: “Wo bleibt ihr denn? Was macht ihr denn? Kommt doch mal zum Museum der Weltkulturen, da sitzen wir so rum.”
Eine liebliche Runde und ein tiefer Schlaf. Am Montag im neuen Büro. Steif und eckig alles. Jemand schwafelt von Transparenz und Kommunikation. Ich schließe meine Rechner an und versuche besser nichts zu sagen. “Was biste denn so schlecht drauf?” “Bin ich nicht, ich sehe nur verknotet aus vom Radfahren gestern. Das ist sehr anstrengend, weißt du.” “Da gibt’s nur eine Möglichkeit: nicht mehr Radfahren!” “Man kann den Nervensägen auch nicht verbieten nervig zu sein.”



