Monats-Archive: Juni 2008
schwarmverhalten
Zwanzig Tafeln Schokolade, Toffifee, Käse, Bälle, Geschenke für die nähere Verwandtschaft. Am Flughafen das Empfangskomitee. Schnell sind es dreimal soviel als wir in Manisa ankommen. Spiele den Dolmetscher. Lotte verwirrt oder belustigt. Wir lachen; debil und etwas weniger laut als alle anderen. Distanzlosigkeit. Der Fernsehen läuft immer. Wir schauen Fußball, gehen in die Stadt, fahren auf den Spil, verbringen einen Tag in Izmir. Essen, essen, essen. Manisa Kebap. Ein Cousin behauptet, er müsse garnicht wissen wie es mir geht, er sehe mich regelmäßig in seinen Träumen. Er hat seherische Kräfte. Ist eine Art Heiliger oder Wächter der islamischen Mythen. Als ich frage, was er sieht, sagt er, dass er es wohl besser für sich behalte. Gut, von mir aus, was juckt’s mich. So geht das vier Tage lang. Schaffe es gerade noch ins Flugzeug ohne etwas zu sagen, das ich später bereuen würde. “Man kann ruhig von ihr erwarten, dass sie Türkisch redet.” Ich liebe Frankfurt, als wir den Flughafen anfliegen, die Stadt durch das Fenster sichtbar wird. Ich meine, ich sehe da ein paar Radfahrer in der Wetterau.

Am nächsten Tag, gleich wieder Arbeit. Es ist anstrengend. Es gibt Probleme. Ein großer, großer Kunde hat ein Problem mit einem Font. Das kann doch nicht sein. Am zweiten Tag finden wir heraus es ist nicht die Font, es ist ein Problem des Programms, das sie verwenden. Darüber ist keiner erfreut. Nur ich freu mich, dass wir herausfinden konnten woran es liegt.
Die Holländer.
Der Samstag. Trauung und Hochzeit von A. und M. in Köln. Vierzehn Uhr in der Kirche. Psalme und Schachtelhalme, Singasang und Brautfang, Gästegemäste. Müde. Hotel. Langer Schlaf. Acht Stunden. Aufstehen, weg. Nach Hause. Soviel Christus und Mohammed in einer Woche. Weiß man nicht so recht. Deren Anwesenheit gespürt, habe ich nicht. Eher Unbeholfenheit und schlechtes Gewissen, oder aber meine Unbeholfenheit.
tschland-tschlaaaand-tschland-tschlaaaaand
Standesamt. Schönes altes Frankfurter Sandsteingebäude. Ist man erstmal drin, glaubt man schnell man sei irgendwie ins Hauptgebäude der Uni in der Mertonstraße geraten. Der Herr an der Pforte fragt: Durch-durch? Und wir anworten: türkisch-deutsch. Dann erklärt eine Schlaftablette wie das so geht und ich frage nach der Einbürgerung. Anderes Amt. Rottweilerstraße. Ah, warum nicht gleich am Deutschherrnufer?

In meinen Kopf will das alles nicht so richtig rein. Wozu Staatsangehörigkeit? Und warum soll das so wichtig sein? Werde mich mit türksichen Behörden rumschlagen müssen. Eineinhalb Jahre lang, sagte die Frau am Telefon. Schwüre leisten. Auf alles Mögliche, gegen alles Mögliche. Muss alles mal geregelt und sich klar gemacht werden. Hauptsache das Bild im Ausweis wird schön.
zögerlich-kojotenhaft
Donnerstag Fußball, Serverprobleme , die Moränenmigränenhyäne schleust sich in den Kopf. Magenkrampf und Brechreiz. Sojamilchbananenmix. Weltuntergang. Und am Freitag Hans’ Weltuntergang. Etwa hundert sind dabei. Manfred Binder traut man nicht so recht über den Weg, der Männergesangsverein betont das ‘t’ wenn es am Ende stehT und der Tubamann umtanzt die Töne sanft mit seinem Vibrato – fast dämonisch, ja, alkoholisch. Der nächste Tag ist Mittagsschlaf und Kindergeschrei. Der Tubaton kommt so: 4 Meter langes Rohrgeschlänge, klarer Fall von B, bei doppeltem Druck die Quint, und die Ventile helfen die Töne dazwischen zu treffen.

“Schimanzki – die Kraft der inneren Maus” wiederentdeckt. Janosch, der alte Suffkopp.
Feile für das CD-Regal, Hobel geschenkt. Merci. Dreiundzwanzig Millimeter hat’s geregnet in der Nacht auf Samstag. Das kann man in dem Kupfermessbecher nicht so gut erkennen, weil er ungenauer ist, weil das Wasser schneller verdunstet. Lotte weiter am Trumm. Nur noch vierzig Kapitel. Wir bestellen Flugtickets für die Türkei, für vier Tage. Und danach das Wochenende ist Andreas Hochzeit. Und danach ist das Wochenende danach. Aber vorher war Sonntag und da saß ich also um zehn vor sieben und las, dass Jörg eben erst nach hause und Matthi auch nicht mehr. Also neue WordPress Version auf den Server aufgespielt und dann nach oben auf den Boden und das CD-Regal weitergebaut. Die Zinken gefeilt. Nach vier Stunden sind die ersten beiden Kästen geleimt. Mittag müslimanisch und das Umräumen im Arbeitszimmer. Studiolike. Aufgeräumt. Wieder am Trumm, die Charlotte. Die Ecken der CD-Regl-Kästen werden abgeschliffen. Es ist heiß auf dem Dachboden. Tropfe alles voll, mit meinem Schweißanzug.
Müdeträgemüdemüde.



