keine zeit zu schreiben und dann das

Freitag. Geschäftsessen in Bad Homburg. Ich warne J. davor, dass ich mein Portemonnaie nicht bei mir habe und gegebenenfalls das Parkhaus nicht bezahlen kann. Kriegen wir schon. Nachher fehlt doch ein Euro. Ein hagerer, betrunkener Jugendlicher hilft uns aus. „Hier nehmen sie ruhig.“ Er ist so ziemlich der einzig Entspannte in der Situation, was mich augenblicklich beruhigt – es macht ihm scheinbar wirklich nichts aus, ein paar biederen Deppen auszuhelfen. Danke.jan seghers neustes buch

Samstag. Lotte hat Recht, am Ende des Tages haben wir eine Menge Dinge erlebt. Ich bin zunächst überhaupt nicht zufrieden, konnte nicht schlafen. Erst werde ich um zwei Uhr wach. Vor dem Zoo haben eine paar türkische Jugendliche beschlossen rumzuschreien. Ich versuche wieder einzuschlafen. Um halb sieben werde ich wieder wach, wälze mich. Die langen Tage auf der Arbeit schlagen sich auf die Laune nieder. So nöle ich den ganzen Morgen rum und will mich am liebsten vergraben und meinen eigenen Kram machen. Bastle an Christians Webseite rum. Schmeiße das Joomla! Konzept um und beschließe es auf WordPress aufzubauen. Ja, die Vorlagen lassen sich auch viel besser anpassen. Ich schicke Christian eine Email, dass er sie sich mal ansehen soll. Gegen Mittag treffen wir Peter auf dem Merianplatz. Wir gehen ins Lido. Ich kritzel so rum, während Lotte und Peter wichtige Dinge bereden. Am Tisch neben uns sitzen eine Frau und ein Mann über ein paar Blatt Papier gebeugt und grübeln über die Bedeutung von Eulen. Die Sonne scheint und wärmt mir die linke Wange. Andrea kommt dazu, gut gelaunt, fast aufgekratzt. Wir müssen los, wollen ein paar Ecken in der neuen Wohnung ausmessen. Frau S. öffnet die Tür Herr P. begleitet uns. Erstmal auf den Balkon. Der ist ja wirklich groß, es sind bald zehn Quadratmeter. Und die Aussicht; augenblicklich bessert sich die Laune. Und so langsam bekommen wir ein klareres, bleibendes Bild von der Wohnung. Wir gehen zurück, kommen wieder am Lido vorbei grüßen Peter und Andrea, die jetzt mit Alex und dessen Frau dort sitzen. Alex, der unglaublich nette Mann, der für das Journal schreibt. Peter stellte ihn mir mal in einer ausgelassenen Nacht im Naxos vor – als Naxos noch kleines Glück sein konnte.
Abends in der Nationalbibliothek zur Vorstellung und Lesung von „Partitur des Todes“. Frau Schleindl bittet uns auf der Treppe platz zu nehmen. Es gibt nur noch ein paar freie, reservierte Plätze in der ersten Reihe, die zum Teil für die Hauptakteure des Abends sind. Den Rest der reservierten Plätze, darauf bestehen zwei Frauen, die mit ihr reden, müsse man für die Verlagsleute freihalten. Gut okay, ist mir eigentlich auch ein bisschen egal.
Als Miroslav Nemec liest, löst der Text eine schöne Ruhe in mir aus. Ich beschließe es so bald wie möglich zu lesen. Als ich damit einen Tag später anfange, bestätigt sich der Eindruck auf den ersten achtzig Seiten. Und ich habe nicht das Gefühl, als würde ich Matthis Buch lesen oder seine Stimme hören, sondern ich höre die Geschichte. Im Übrigen fand ich schon nach den allerersten Andeutungen, die Matthi machte, dass dieser Fall bisher am meisten Substanz hat und den stärksten Eindruck macht. Klasse Matthi!
Nach der Lesung noch bis zwei mit Jörg und zweien seiner ehemaligen Komilitonen S. und R. in Kneipen rumgelungert und gequatsch. Dabei erzählte R., dass er neulich im Fernsehen so ein Rodelrennen verfolgt habe, bei dem ein sehr junger Typ gewonnen habe. Das Fernsehen habe den ganzen Sieglauf wiederholt und dabei in einem kleinen Bild im Bild die Reaktion der Mutter des Rodlers gezeigt, die am Ende begeistert applaudierte. „Wenn meine Mutter,“, so R., „so applaudiert hätte, als ich in meinem ersten Semester Politologie Thomas Hobbes‘ Leviathan verstand, dann wäre ich vielleicht auch ein guter Politologe geworden. Aber für Politologen applaudiert kein Elternteil.“

Sonntag. Drei weitere Songs abmischen. Sieben sind es jetzt. Kleinere Korrekturen folgen. Es fehlen noch mindestens vier. Oder? Aber da müssen die Texte ja noch eingesungen werden. Und dann werden die Dinger mal bei Herrn Altenburg auf der Anlage gehört, der hat nämlich die allerfiesesten und transparenklingendsten Lautsprecher, die ich kenne.
Und dann lag ich wach und wach und wach und es wurde zwei, drei, halb vier und ich konnte nicht einschlafen. Am Donnerstag ist der Termin beim Orthopäden. Dann kommt irgendwann mein Knie in Ordnung und dann mache ich wieder Sport und schlafe wie ein Baby!

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2 Kommentare zu keine zeit zu schreiben und dann das

  1. ati sagt:

    Danke auch! Aber auch nicht so ganz daneben, wenn man bedenkt, dass ich ihn vorher nur ein Mal gesehen habe.
    Tschuldigung Alex.

  2. tine sagt:

    der allernetteste mann schreibt übrigens für prinz

    danke, by the way!