Monats-Archive: Februar 2008
dt. lit. XVIII
150 Billies. 70, 80, 90, 1200 Kisten. 220 x 5 Stockwerke und ein paar Tage später wird es so weit sein.
THE DENTISTS!!!

h-milch
Früher habe ich immer wieder Kopfschütteln und resignierte Blicke geerntet, weil ich leere Milchtüten in den Kühlschrank zurückgestellt habe. Frei nach den Pawlowschen Hunden, nach Lob heischend, habe ich also aufgehört die Tüten in den Kühlschrank zurückzustellen. Und was ist der Dank? Man schikaniert mich, redet mir ein, dass die die leeren Milchtüten in den Müll gehören, die vollen, schon geöffneten in den Kühlschrank. Einfach so stehengelassen, stellen sie eine hygienische und gesundheitliche Gefahr dar, deren Folgen allein ich zu verantworten habe, weil ich wieder mal gar nicht kapiert habe, dass volle, schon geöffnete Milchtüten, in keinster Weise und unter keinen Umständen außerhalb von Kühlschränken abgestellt werden dürfen.
Ganz klar, eine miese Masche, ein fieser Trick!
Niels Frevert – “Du kannst mich an der Ecke rauslassen”.
Erscheinungstermin: 29.02.2008
Konzert im Sinkkasten am 9. April 2008.
Da sehen wir uns. Bis dahin:
Manchmal gibt es nur noch die Befürchtung
Ganz allmählich zu verstummen
Das was ich will hat mit dem was ich kann wenig zu tun
Ich habe gesucht herauszufinden
Worum es geht das hält nie ewig
Was zwischen Jahren und Stunden
Aber vielleicht länger als ein Liter H-Milch
tschabuck tschabuck
Besprechung: Frust. Gerümpel: Kofferraumservice. Vemieterbesuch: “Bleiben sie doch.” Elternbesuch: Handkreissäge, Akkuschauber, Schleifgerät, Kelle, Wasserwaage, Winkel, Spritzpistole und Nahrung, jede Menge Nahrung. Bei Andrea: Quasselpopassel und Fressofresso. Wilhelmshöher: Kleiderschrank abbauen, Sunas Telefonat. Warten. Nix. 661: nerv. Wohnzimmer: Alles raus, Plane rein. Alltag: nerv. Schrank: zwei Meter eins oder achtunddreißig Zentimeter ab. Abbeizer: Gift. Was jetzt kommt? Schleifen.
kofferraumservice
Vier große Säcke voller Wäsche, die ich großkotzig fortgeben will. Aber gar nicht “will” eigentlich, sondern sollte, hab sie seit Jahren nicht mehr angezogen. “Ist ‘ne Erleichterung.”, sagt Suna. Die Spülmaschine gibt rechtzeitig den Geist auf, wäre sowieso beim Kofferraumservice des FES gelandet. “Pumpt nicht mehr ab.”, sagt Suna. Hat genung gepumpt. Wir einigen uns wegen des Krams in der Küche. “Mir egal,” sage ich, “ich will nur meine Tassen und Gläser.” “Ich habe mir schonmal eine von den großen Tassen eingesteckt.”, sagt Suna. “Seattle?”, frage ich. “Ja.”, antwortet Suna. Ich nicke.
Der Kleiderschrank ist leer. “Und was ist mit den Handtüchern, Decken und Laken?”, frage ich. “Nichts.”, sagt Suna und wir teilen wieder auf.
Ein Blick auf die Kisten, die noch leer sind. Ein Blick auf die Dinge die noch nicht in Kisten sind. Reicht vielleicht. Bilder und Poster nicht vergessen. Da kann ja noch einiges zum Kofferraumservice. Da liegt Post. Es ist die DatenDVD von unserem Atilla & Altenburg Projekt. Klasse. Dringend Master CD hören.
Wirre Zeit.
Ich bring Suna heim. Danach zu Rob. Totkrank und barfuß öffnet er die Tür. “Welcome to our shit hole.”, sagt er. Man nimmt ihm ein kleines Vermögen für ein zwölf Quadratmeterzimmer ab. Wir arbeiten an der Beschreibung für den Workshop in Buffalo, nehmen uns viel vor, genauer gesagt einen ganzen Tag. Ich nehme seine Krankmeldung mit als ich wieder gehe und wünsche gute Besserung. Und dann rechne ich nach: vier Mal habe ich mir die Zähne geputzt.
weiss niemand so genau
Stadtsalon im Atelier Frankfurt. Gleich zu Beginn die Forderung unhöflich zu sein, was dann keiner, nicht mal für fünf Sekunden war. Trotzdem, da wollte man sich nicht zuhören, sich nichts klarmachen, sich nicht auf Begriffe einigen, das Problem nicht erörtern – was war eigentlich das Problem? Bisschen rumsitzen und quatschen? Ach so. Wir gehen dann mal.
Früh ins Bett noch eine ganze Weile im neuen Marthaler gelesen. Hmmm. Schön.
ruhe vor dem alltag
Morgens, immer ein bisschen spät. Froh, wenn die Scheiben nicht gekratzt werden müssen. Froh, wenn der Wagen gleich anspringt. Die Taschen auf dem Beifahrersitz, oft zwei oder drei. Die Fahrt länger, wenn vom Zoo – fünf Minuten etwa. Manchmal iPöttle, Kopfhörer, verbotenerweise. Dann Spoon oder LCD Soundsystem. “Jede Woche eine neue Band”-Wahn, ohne mich. Musik ist etwas anderes, in mir. Die tingelnden Autos, kein Weg vorbei, eine Aufregung, ein Brüllen. Lustige Plakate. Schönes, altes Zoo-Schild bei der Tanke. Ein Straußenvogel, ein Schriftzug. Autobahn sechshunderteinundsechszig, wie immer. Parken – noch nicht seit langem – vor dem Gebäude, nicht auf dem geschlossenen Parkplatz dahinter. Ausstieg links. Taschen schultern. Abkürzung, das Gras im Schatten gefroren, in der Sonne nass. Karte noch im Auto. Zurück und loop das. Unter einer der Überwachungskameras mit Wärmesensoren. Große Wagen vor dem Gebäude. Nicht viel mit Sternbildern am Hut, diese hier. Was S. über Soli sagte. Melodien mehrfach wiederholen, loopen. Eine Regel. Und musikalisches Gespür? Wiederholen ist hilfreich, aber Quatsch. Eine kleine Reise veranstalten. Landschaften ausmalen. Nicht jeder Hügel gleich oder wiederholt, eher ähnlich. Das, die Regel. Sie zu brechen wichtig, aber nicht alles. Fiepen des Kartenlesers: durch die Tür. Bankbüro rechts. Bankfrau nicht da. Ein Angebertyp. Fiepen des Kartenlesers: eine Schleuse. Vorhalle. Die Barsche und DJ Bobo an der Rezeption. Am Treppenaufgang vorbei. An den Geländern, bis vor Kurzem, mit Stricken unansehnlich aufgehängte kleine Weihnachtsmannpuppen mit Gartenzwerggesichtern. Wie hingerichtet. Angewinkelte Knie, linke Hand am Strick, rechte Hand mit Sack, baumelnd. Raucher, vor dem Hinterausgang, im Windgeschützten Bereich. Sonderlinge unter sich. Langen Gang entlang. Büros links und rechts. Ignoranz, Konzentration, Lächeln, Gruß. Fiepen des Kartenlesers: durch die Tür. U links, K rechts. A und M links, L rechts. Js Tür geschlossen. Rechts rein. Mein eigener und Teegeruch. Taschen in die Ecke. Schranktür. Andere Karte. Schnell. Im Vorbeigehen in As Büro. A vor dem Bildschirm stehend. Stehtisch. Blick auf die Uhr über dem Bildschirm. Knapp. Langen Gang entlang. Fiepen des Kartenlesers: Arbeitsbeginn. Rechtzeitig. Büro. Mantel aus, Mütze ab, Notebook raus, Kabel dran, Geräte an. Fiepen der Rechner: Bootvorgang. Zwei Gedanken. Einer vorbei. Redeschwall nebenan. Watte quillt. Haut tauber. Tastatur. Maus. Linke Taste total glatt, von den Klicks, die hier verübt wurden.
keine zeit zu schreiben und dann das
Freitag. Geschäftsessen in Bad Homburg. Ich warne J. davor, dass ich mein Portemonnaie nicht bei mir habe und gegebenenfalls das Parkhaus nicht bezahlen kann. Kriegen wir schon. Nachher fehlt doch ein Euro. Ein hagerer, betrunkener Jugendlicher hilft uns aus. “Hier nehmen sie ruhig.” Er ist so ziemlich der einzig Entspannte in der Situation, was mich augenblicklich beruhigt – es macht ihm scheinbar wirklich nichts aus, ein paar biederen Deppen auszuhelfen. Danke.
Samstag. Lotte hat Recht, am Ende des Tages haben wir eine Menge Dinge erlebt. Ich bin zunächst überhaupt nicht zufrieden, konnte nicht schlafen. Erst werde ich um zwei Uhr wach. Vor dem Zoo haben eine paar türkische Jugendliche beschlossen rumzuschreien. Ich versuche wieder einzuschlafen. Um halb sieben werde ich wieder wach, wälze mich. Die langen Tage auf der Arbeit schlagen sich auf die Laune nieder. So nöle ich den ganzen Morgen rum und will mich am liebsten vergraben und meinen eigenen Kram machen. Bastle an Christians Webseite rum. Schmeiße das Joomla! Konzept um und beschließe es auf WordPress aufzubauen. Ja, die Vorlagen lassen sich auch viel besser anpassen. Ich schicke Christian eine Email, dass er sie sich mal ansehen soll. Gegen Mittag treffen wir Peter auf dem Merianplatz. Wir gehen ins Lido. Ich kritzel so rum, während Lotte und Peter wichtige Dinge bereden. Am Tisch neben uns sitzen eine Frau und ein Mann über ein paar Blatt Papier gebeugt und grübeln über die Bedeutung von Eulen. Die Sonne scheint und wärmt mir die linke Wange. Andrea kommt dazu, gut gelaunt, fast aufgekratzt. Wir müssen los, wollen ein paar Ecken in der neuen Wohnung ausmessen. Frau S. öffnet die Tür Herr P. begleitet uns. Erstmal auf den Balkon. Der ist ja wirklich groß, es sind bald zehn Quadratmeter. Und die Aussicht; augenblicklich bessert sich die Laune. Und so langsam bekommen wir ein klareres, bleibendes Bild von der Wohnung. Wir gehen zurück, kommen wieder am Lido vorbei grüßen Peter und Andrea, die jetzt mit Alex und dessen Frau dort sitzen. Alex, der unglaublich nette Mann, der für das Journal schreibt. Peter stellte ihn mir mal in einer ausgelassenen Nacht im Naxos vor – als Naxos noch kleines Glück sein konnte.
Abends in der Nationalbibliothek zur Vorstellung und Lesung von “Partitur des Todes”. Frau Schleindl bittet uns auf der Treppe platz zu nehmen. Es gibt nur noch ein paar freie, reservierte Plätze in der ersten Reihe, die zum Teil für die Hauptakteure des Abends sind. Den Rest der reservierten Plätze, darauf bestehen zwei Frauen, die mit ihr reden, müsse man für die Verlagsleute freihalten. Gut okay, ist mir eigentlich auch ein bisschen egal.
Als Miroslav Nemec liest, löst der Text eine schöne Ruhe in mir aus. Ich beschließe es so bald wie möglich zu lesen. Als ich damit einen Tag später anfange, bestätigt sich der Eindruck auf den ersten achtzig Seiten. Und ich habe nicht das Gefühl, als würde ich Matthis Buch lesen oder seine Stimme hören, sondern ich höre die Geschichte. Im Übrigen fand ich schon nach den allerersten Andeutungen, die Matthi machte, dass dieser Fall bisher am meisten Substanz hat und den stärksten Eindruck macht. Klasse Matthi!
Nach der Lesung noch bis zwei mit Jörg und zweien seiner ehemaligen Komilitonen S. und R. in Kneipen rumgelungert und gequatsch. Dabei erzählte R., dass er neulich im Fernsehen so ein Rodelrennen verfolgt habe, bei dem ein sehr junger Typ gewonnen habe. Das Fernsehen habe den ganzen Sieglauf wiederholt und dabei in einem kleinen Bild im Bild die Reaktion der Mutter des Rodlers gezeigt, die am Ende begeistert applaudierte. “Wenn meine Mutter,”, so R., “so applaudiert hätte, als ich in meinem ersten Semester Politologie Thomas Hobbes’ Leviathan verstand, dann wäre ich vielleicht auch ein guter Politologe geworden. Aber für Politologen applaudiert kein Elternteil.”
Sonntag. Drei weitere Songs abmischen. Sieben sind es jetzt. Kleinere Korrekturen folgen. Es fehlen noch mindestens vier. Oder? Aber da müssen die Texte ja noch eingesungen werden. Und dann werden die Dinger mal bei Herrn Altenburg auf der Anlage gehört, der hat nämlich die allerfiesesten und transparenklingendsten Lautsprecher, die ich kenne.
Und dann lag ich wach und wach und wach und es wurde zwei, drei, halb vier und ich konnte nicht einschlafen. Am Donnerstag ist der Termin beim Orthopäden. Dann kommt irgendwann mein Knie in Ordnung und dann mache ich wieder Sport und schlafe wie ein Baby!
hört sich schlimmer an als es ist
Der Mann, der sich den Jackenärmel über die Hand zieht, um eine Tür zu öffnen. Derselbe wie der, der nie wieder ein Nokia Handy kaufen wird und sich über Coca Cola echauffiert, Rauchern das Nikotin am liebsten injizieren würde, der seine Steuern zahlt. Derjenige, der die Menschen so lieb hat, dass er ihnen am liebsten sagen würde, was zu tun ist, nämlich er werden. Einer, der Spaß daran hat schwächeren seine Stärke zu zeigen nur, um sie dann damit zu demütigen, dass er ihnen aus Mitleid noch die Verteidigung gegen sein Vorpreschen und seine Unverschämtheiten selbst in den Mund legt. Der auch weiß, dass der Wähler dumm ist, die Demokratie deshalb von allen Staatsformen die schlechteste ist, aber die beste die existiert.
So dumm dieser Satz, so billlig das Zitat. So breitarschig, so laut, posaunt das alles durch mein Ohr. Und ich wünsch mir, er würde einfach Goethe oder Shakespeare zitieren. Damit ließe er mich wenigstens in Ruhe.
Schon gut, ich bin nicht so ganz ausgeglichen, mein Knie und mein Hals erlauben mir im Moment keinen Sport.
Und das ist auch so’ne Kacke!



