Monats-Archive: November 2007

neuste erfindung: strom in dosen

Wer Interesse hat, kann es sich für den 29. November merken. —>

sport

Und dann spiele ich wieder Fußball. Nachdem ich schon in Bad Nauheim gespielt habe, spiele ich auch noch in Frankfurt. Da habe ich übertreiben und ein leichter Schmerz ist in meinem Kopf. Wird schon werden, denke ich. Wird auch. Migräneanfall um vier Uhr nachts. C. fährt mit dem Taxi in die Apotheke und besorgt Ibuprofen. Mir ist schlecht. Ich kann mir nichts ekligeres vorstellen, trotzdem kocht sie mir einen starken Kaffee. Anobella hatte mich an dieser Stelle in dieser Hinsicht mal beraten. Und danke, danke, das wirkt sofort. Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir müssen um kurz nach zehn in Stuttgart sein. C. fährt. Es ist Kotzwetter. Aber wir kommen problemlos durch. Wir sehen erschöpft aus, meint K.. Sie und A. sehen zufrieden aus. Entspannt. Ihre Freunde sind sehr nett. Der Standesbeamte redet vom Ausweis. Er bemüht sich Hochdeutsch zu reden, aber es ist schwäbisch. Er fragt, ob alles in “Oddnung” ist. Wir müssen alle das Lachen unterdrücken. Viele schauen auf den Boden. Als alles vorbei ist, steht schon die nächste Hochzeitsgesellschaft vor der Tür. Dann gibt es Sekt, und ein zweites Frühstück. Liebevolle Reden. Nichts davon ist peinlich, alles sehr freundlich. A. sagt, dass er froh ist. Am Nachmittag holen wir Kuchen beim Bäcker Kipp. Da liegen Karlsbader Bobbes. Ich lache. “Typisch” sagt C. Und dann fahren wir wieder nach Hause. Es gibt einen Stau bis Heilbronn, danach geht es. Immer noch Kotzwetter. Freitagsküche fällt aus. Zu müde. Wir schauen noch eine Doku. Naja.

In meiner Email eine Nachricht von M.: Wir fahren! Ich: Ich mit! Es ist zwölf. Halb eins als ich zuhause ankomme. Müsli essen. Es klingelt. Bestimmt die Müllabfuhr, die Post oder die GEZ. Vorher aus dem Fenster schauen. Huch, ein junger Mann winkt mir zu. Ich erkenne ihn gleich, es ist D.. Wie schön. Wir haben uns vor eineinhalb Jahren das letzte mal gesehen. Er hat vor drei oder vier Jahren die wildeste Geschichte erlebt, die ich von einem Menschen aus meinem Umfeld gehört habe. In dieser Geschichte wollte er nach Amerika fliegen, landete in Lissabon, war dort ein Tagedieb, ging in den Norden des Landes und stahl einen Wagen. Man schoss auf ihn. Er stahl ein Fahrrad und fuhr von Portugal aus quer durch Spanien, durch Frankreich, nach Italien bis in den Süden des Landes, wo er in einem Kloster oder auf einem Hof für ein bisschen Brot arbeitete. Aber auch von dort floh er und landete schließlich in Rom in der amerikanischen Botschaft von wo aus man seine Mutter verständigte. Das erste Lebenszeichen nach über einem halben Jahr.
Es ist kurz vor zwei. Wir verabschieden uns. Und dann setze ich mich selber auf’s Rad.

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alles voller flinten hier im korn

Neulich im Kino. Vor allem: Werbung. Eine davon ging so: Man sieht einen Haufen Bilder aus den späten Sechzigern. Darauf sind viele Hippies, die auf irgendwelchen Wagen stehen oder liegen oder sitzen. Meist handelt es sich um Traktoren, Laster oder diese uralten VW Busschen, die man ja durchaus mit der Zeit in Verbindung bringt. Auf jedem Bild ist der Benzinverbrauch des Wagens pro hundert Kilometer eingeblendet. Dann erscheint am Ende der Smart. Ganz allein im Bild. Drei Liter auf hundert Kilometer. Völlig abstoßend. Offensichtlich wirft man diesen Menschen Doppelmoral vor. Ich frag mich, was wohl der pro Kopf Verbrauch des Traktors wäre, der zwar fünfzig Liter auf Hundert Kilometer verbraucht, aber über hundert Menschen transportiert. Außerdem war die Ökobewegung später und was anderes als die Hippiebewegung, auch wenn vielleicht viele Menschen in beiden aktiv waren. Kann man die Hippiezeit mit der Technobewegung in den Neunzigern vergleichen? Ich glaube ja. Und den Smart gäbe es sowieso ohne die Menschen auf den Bildern gar nicht. Also kackt euch nicht an.
Und das Ganze ist natürlich völlig überflüssig, muss aber irgendwie aus meinem Kopf raus. Tschuldigung.

Was ist da draußen überhaupt los? Die Welt sieht aus wie ein Graustufenbild. Leicht übersteuerte Helligkeit. Kein Wind. Keine weiteren Fragen.

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immer geradeaus, dann links

Hab mir mal wieder Mexico City auf Google Maps angeschaut. Die Art, wie die Stadt zu wachsen und Hügel um Hügel einzunehmen scheint, sieht aus wie bei einem Geschwür. Sieht ungesund aus. Als sei sie zu schnell und unkontrolliert gewachsen und meine Überschriften zum Scheitern verurteilt.Freitag Morgen mit der Bahn. Eine Stunde und zwanzig Minuten! In Worten: eine Stunde und zwanzig Minuten! Die erste Hälfte fand ich ja ganz nett. Entspannend, im Vergleich zum Auto fahren. Auf einem Plakat ist mir ein Wort aufgefallen: tüfteln. “Genau”, dachte ich und schaute genauer. Da stand: “grübeln, tüfteln, entdecken, begreifen” “Nee”, dachte ich, “da fehlt ja die Hälfte.” Wie wär’s mit grübeln, tüfteln, entdecken, tüfteln, begreifen, irren, tüfteln, offen lassen. Gut, letztlich also doch irgendwas begreifen.
Irritiert hat mich Betti, als sie sagte, “Abfall für alle” habe sie auch gelesen und es sei eben Abfall. Aber irgendwas hat mich daran gestört. Das Urteil oder so. Und ich frag mich, ob sie nicht gemeint haben könnte, dass es eben Abfall sei, wie der Gedankenabfall, der jeden Tag von einem selbst abfällt. Könnte das sein?

In der Paella am Freitag Mittag waren wohl so komische Sprengstoffe drin. Ich musste fluchtartig das Büro verlassen, um niemanden zu verletzen. Es war noch hell.

Semolina Pilchard is climbing up the Eiffel Tower

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meine memoiren von ludwig wittgenstein

Zeit mal wieder einen Schritt zurückzugehen. Zu schauen. Lesen vielleicht. Vielleicht auch nur sich in seine Jacken und Schals wickeln, gucken wie sich der Feldberg weiß verfärbt, der Asphalt sein kaltes Wintergrau annimmt, überhaupt alles ermattet.

wittgenstein an einer wand

Auf Wikipedia wird Ludwig Wittgenstein so wiedergegeben:
Die Arbeit an der Philosophie ist – wie vielfach die Arbeit in der Architektur – eigentlich mehr die/eine Arbeit an Einem selbst. An der eigenen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht (Und was man von ihnen verlangt). Nach manchen missglückten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, dass mir dies nie gelingen würde. Dass das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; dass meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Richtung, in ‚einer’ Richtung weiterzuzwingen. Meine Philosophie lässt alles, wie es ist, stellt alles bloß hin und erklärt und folgert nichts. Da alles offen liegt, ist nichts zu erklären.

Wittgenstein wurde am 26. April 1889 in Wien geboren und war eines von acht Kindern. Sein Vater war Großindustrieller, seine Mutter Pianistin. Drei seiner Geschwister begingen Selbstmord. Ab 1903 besuchte er eine Linzer Realschule, zur gleichen Zeit wie Adolf Hitler. 1905 beendete er ein Studium zu “flugtechnischen Fragen” in Berlin. 1911 erhielt er ein Patent zum Thema “Verbesserungsvorschläge für Flugzeugpropeller”. Danach ging er Bertrand Russel in Cambridge auf die Nerven und studierte Philosophie. Zehn Jahre später erschien sein zu Lebzeiten erstes und einziges Buch: Tractatus Logico-Philosophicus. Von 1919 bis 1926 war er Lehrer an mehreren Schulen in Österreich, fühlte sich aber überfordert. Bis 1928 baute er zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann des Hauses Wittgenstein in Wien. Er übernahm dabei die Verantwortung für die Innenarchitektur. 29 kerhte er nach Cambridge zurück. Sein gewaltiges Erbe verteilte er unter seinen Geschwistern und Künstlern. 1939 wurde er in Cambridge zum Professor berufen und nahm die Englische Staatsbürgerschaft an, da er nach den Nürnberger Rassengesetzen als Jude galt. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete er als Pfleger in einem Londoner Krankenhaus, bevor er 1943 einer Grupper beitrat, die sich mit Wundschock beschäftigte. Er entwarf mehrere Apparaturen zur konstanten Puls-, Blutdruck-, Atemvolumen- und Atemfrequenzmessung. Ab 44 – 47 las er wieder in Cambridge. Dann ging er nach Irland, um sich ganz der Philosophie zu widmen. 49 beendete er sein zweites Werk, das zu Lebzeiten nicht erschien. 1951 starb er in der Wohnung seines Arztes an Krebs.

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zwei stunden auf der rolle

Schlafstörungen. Wie eine unerklärbare Energiequelle im Innern. Ein Pulsieren. Mein Herz schlägt wie. Verrückt. Nein, nicht zu schnell. Zu laut. Jeder Schlag ein Arschtritt. Und ich lieg’ da muss die Augen fest zukneifen, damit sie nicht aufspringen. Echt Mann! Was ist denn das?

Aus dem Traum in die Wirklichkeit: Busse. Zuschauer. Bier. Fußballspiel. Aufwärmen. Linien. Trainer. Finale. Italien. Pizzeria. Schamoni. Spilker. Chinabox. Beatbox. Macbooks. Logic. Was für ein Name.

Mit einer Sammlung kleiner Dramen in der Hand stand er am Straßenrand. Frauengeschichten meist. Kleine Erfolge im Beruf und Erklärungsversuche:
Ich bin so dreist.
Ja, und ist das toll?
Nein, es ist einfach so, ich kann da gar nichts für.
Du müsstest Dich mal hören.
Ich sag’s dir, du glaubst nicht was mir passiert.
Aber natürlich, wenn du es sagst, was soll ich dem entgegnen, dass du es besser sein lässt oder mehr möglich ist? Kann jeder selber machen wie er will. Und so macht man es ja letztlich auch. So unfrei sind wir doch. Oder?

i am an opera singer
i stand on painted tape
it tells me were to go to
and where to throw my cape

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DeNiero?

Bin bei meiner Nieren-Recherche irgendwie bei DeNiro gelandet. Ich weiß auch nicht. Ich finde es schon enorm lässig. Aber irgendwie auch leicht wahnsinnig. Robert DeNiro.

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blockpartei

Wahnsinnig geiler Satzanfang a la Peter Kropp: Ich, also er…

Meine persönliche innere Blockade: der dauernde Wunsch nach Ordnung und Aufgeräumtheit. Der Wunsch, hier müsste mal aufgeräumt werden. Muss ja auch. Nur, ich mach es nicht. Ich fang dann an auf dem Computer, also virtuell, aufzuräumen. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, ich sollte lieber mal ein paar Lieder schreiben. Aber ich hab über die Jahre gelernt, dass man sich nicht sorgen muss, dass es immer wieder zurückkommt. Wie ein Hund.

Als die Nachricht am Freitag Abend kam. Irritation. Plötzliches Gefühlswirrwarr. Kleine Abstürze. Am Samstag ein Besuch im Krankenhaus und es war schon besser. Erst als Sadi völlig aufgelöst am Samstag Abend anrief, war ich gefasst und konzentriert. Es ist halb so schlimm. Es gibt erstmal nichts zu befürchten. Nur ein Infekt. So war’s dann auch. Aber weiter hinten wartet schon wovor wir Angst hatten.

Sonst? Geburtstage. Der Mensch wird älter und da gibt es dann Kaffee und Kuchen (K. und K., Herr Z.). So angenehm.

Im Kopf, nee, im Denken:
Durch eine Anmerkung von Matthi zu einem meiner Sätze ausgelöst. Das der Satz falsch sei, hat er gesagt. Wie kann man sagen, dass etwas falsch ist? Wie geht das, wenn ich doch finde, dass er richtig ist? Der Satz: Trotz allem suchen wir Gemeinsamkeit
Geht nicht. Kann man nicht sagen. Logischer Kurzschluss.
Wenn man diese “Wahrheit” für sich beansprucht, dann muss man andere Wahrheiten für andere zulassen. Wie käme ich dazu, die einzig “wahre Wahrheit” zu erkennen? Das erkannt, kann man nicht mehr sagen wir würden irgendwas suchen. Geht nicht. Widerspruch in sich. Bzzzzt. Stromschlag. Parallele dazu: Rainald Goetz’ “Ich nicht”.
Wenn ich sagte: “Trotz allem suchen wir irgendeinenscheiß.”
Würde R. G. entgegnen: “Ich nicht”
Das wäre der empirische Beweis. Puff. So ist das mit den Wahrheiten. Gut, dass wir den geändert haben.

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keine hochzeit vor der ehe

“Ich fänd’ sie ja ganz cool, aber die Band ist total hässlich.”
“Aber es geht doch nicht ums Aussehen!”
“Ich weiß auch nicht, ich bin eben eher so’n visueller Typ.”
“Dann schau dir doch Bilder an.”

Joachim Bublath ist doch wirklich ein unverbesserlicher Narr. Da sitzt er schon mit vieren zusammen in einer Talkshow und behauptet immer noch es gäbe keine Außerirdischen.

Heute waren wir im Zoo. Karo und Alex und Ferdinand und Anton waren auch mit. Wir sahen Seehunde, Giraffen, Affen, Mäuse und die restlichen Flamingos. Nur Ferdinand nicht, der hat die ganze Zeit geschlafen.

Apropos Bonobo. Die sind sowas von abartig schnell durch ihr Gehege geflitzt. Und immer schön an den Stangen festgehalten und sich rumschleudern lassen. Und geschrien wie nur so was. Oben rum und unten rum. Links, rechts, Richtungswechsel. Kurz dachte ich, dass es gar nicht so verkehrt sein kann als Bonobo auf die Welt zu kommen. Die Bewegungsabläufe habe ich mir dann für das Fußballspiel zum Vorbild und Motto genommen. Naja, es gibt eben keine Stangen in der Turnhalle in Bad Nauheim.

bewegliche affen
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