reste von seattle und gitarren

Drei Meister der Schrittgestaltung lassen sich am letzten Tag der Konferenz über zehn in den Anfängen befindliche Schriften aus. Das war interessant. Diese geschulten Augen, dieser riesen Fundus an Buchstabenformen im Kopf, wenn das so aufblitzt.
Zack! Der Vergleich: „ein bisschen wie dies und das und auch was von dem.“
Zack! Die Designfehler: „da ist die Kurve zu flach, da sehen die Kleinbuchstaben zu schwächlich aus, die Großbuchstaben zu wuchtig. Musst du mal ausprobieren welches von beidem zutrifft, das kann dir nur das Ausprobieren zeigen.“
Ich freu mich ja immer, wenn jemand so großzügig ist und auch die Arbeitsweise in seine Kritik mit einbezieht. Wenn jemand weiß, das geht nur über Probieren und kann man jetzt auch mit dem größten Wissenshintergrund nicht einfach schlecht reden. Den Respekt muss man auch aufbringen, der gehört dazu. Schließlich hat sich jemand Arbeit gemacht, beschlossen was vorzulegen, was zu erfinden. Irrtümer inklusive.

Flache Phrasen, Irrsinnige Wörter, Müll, Trash, Garbage:
Weight Management, Body Sculpting, Heyhowareyoudoing, Folks, yougottawashyourhandsbuddy, i’msofuckingnotlyingsir.

Im EMP (Experience Music Project) am letzten Tag. Eine Art Rockmuseum. Kurt-Cobain-Schlüsselanhänger, Jimi-Hendrix-Tassen, Pearl-Jam-Konzertposter. Interessant ist es trotzdem. In der Gitarrengalerie sehe ich die Flying V und mir wird bewusst, wie alt dieses Modell eigentlich schon ist. Mitte der Fünfziger Jahre wurden die ersten Gitarren in V-Form ausgeliefert. Und seit Ende der siebziger Jahre dient die Flying V Musikern sich maskulin und pathetisch zu geben. Allen voran Rudolf Schenker von den Scorpions.

viele helden

Es hat nicht immer mit der Gitarre zu tun, wie man wirkt. Aber sie kann einen Eindruck sicher verstärken.

kaum peinlich

Einer der die Flying V von Anfang an benutzte, war Albert King. Und ich finde, sie passt wunderbar zu ihm.

das original

Früher sollte das EMP ein Jimi Hendrix Museum sein, doch man fand nicht genug Kram von ihm oder über ihn, um ein so großes Museum zu füllen. Deshalb gibt es jetzt verschiedenen Sektionen. Rap und Hip Hop inklusive Grafitty, Grunge, andere Seattle Bands wie Queensryche und Heart, ein Zimmer mit Interviewbeiträgen auf Bildschirmen, die in einer Endlosschleife laufen.
Entdeckungen: der grüne Pulli von Cobain, den er im „come as you are“-Video getragen hat. Kim Thyils größter Einfluss sind die Beatles, Mike McCreadys größter Einfluss ist Hendrix. Hört man ohnehin am Spiel, klar. Trotzdem schön die Bestätigung zu hören. In der Gitarrensektion sind alle bekannten Gitarrenmodelle seit den dreißiger Jahren ausgestellt. Die Dobro und die Lap Steel Gitarren. Auf einem Bildschirm laufen Videos der großen Gitarristen. Immer nur kurze Soli. In den fünf Minuten die ich davor stehe sehe ich unter anderem Rory Gallagher, Jeff Beck, Les Paul, Mary ? Osbourne und Son House. Einige waghalsige Gitarrelicks von Countrygitarristen aus den Fünfzigern, deren Namen ich noch nie gehört habe und deren Darbietung alles Gefasel von den schnellsten Gitarristen komplett ad Absurdum führt.

Gestern endlich die Bob Dylan Doku von Scorsese geschaut. Dylan ist ein ganz schön Guter, das kann ich ja erkennen. Aber ich kann mich nur langsam mit ihm anfreunden. Davon ungetrübt: die Interviews aus den sechzigern sind absolut sehenswert.

Paar Bluesvideos für die, die druchgehalten haben:
Nicht erschrecken! Odette
Son Houses einzigartiger Gitarrenstil. Würde heute komplett verlacht werden. Mir ist ein Rätsel wann er welche Saite anschlägt und wie das Ganze die Geräusche erzeugt, die es erzeugt…
Nochmal ein Video von Son House aus 1967. Die Gitarre klingt hier interessanter, finde ich.

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2 Kommentare zu reste von seattle und gitarren

  1. ati sagt:

    Ich hab es korrigiert, jetzt stimmt’s.
    Danke für den Hinweis.

  2. Marthaler sagt:

    Ein Meister der „Schritgestaltung“ (!) ist wohl eher hier zu finden: http://www.youtube.com/watch?v=IqhlQfXUk7w

    Schöne Morgengrüße
    MA