Der Konsum des Monsun

Gerade in irgendeinem beknackten Webshop gesehen:
ein Monitor mit Multimediafuß.
Na klar, und jeder weiß was gemeint ist.

Der Brief, handschriftlich. Und dann, als die Antwort per Email kommt. Huaahh! Ein seltsames und irgendwie lässiges Gefühl, wenn man nicht mehr den genauen Wortlaut seiner Nachricht weiß und auch nicht nachschauen kann. Bei einer Email oder auch hier: Was hab ich da geschrieben? Ach das. – Aber ein Brief… tja. Vor zehn Jahren eher normal, heute total fremd. Verbindlicher, irgendwie. Du musst dir schon überlegen was du schreiben willst. Und vor allem musst du den Kram dann auch noch abschicken. Aber man macht es einfach, weil man weiß sonst macht man es eh nicht. (Der Gang zum Briefkasten will ja eingebettet sein in den Tagesablauf.) Aber wie abgefahren das Ganze ist. Ich find’s gut.
Und das Wetter verhöhnt uns. Wen denn sonst!
Frag mich, ob es auch Tiere gibt, die denken: O neee! Kann dat denn nit ma‘ aufhöan zu reechnen!? Oder, ob das ein ausschließlich menschlicher Gedanke ist. Bei Tieren denkt man ja sowieso immer die nehmen es wie es kommt. Die würden auch nie sagen: O Mann, bin ich kaputt! Die blöde Antilope war doch ganz schön schnell.
Aber seitdem ich diese Alligatoren gesehen habe, denke ich vor allem, dass Tierdokus nicht das Leben der Tiere dokumentieren, sondern nur die Phasen, in denen die Tiere was machen. Es wär ja auch stinklangweilig Tiere zu zeigen, wie sie sich vier Wochen lang nicht bewegen. Dafür ist das Fernsehen wahrscheinlich einfach das falsche Medium. Stattdessen sieht man eben wie so ein paar Löwenweibchen ein Gnu jagen oder wie ein Elefant einen Baum ausreißt. Was aber in Wirklichkeit wahrscheinlich total selten passiert.
Gibt es denn überhaupt ein Medium, das die Bewegungslosigkeit unterhaltsam transportieren könnte? Höchstens vielleicht, wenn auch die Tiere Multimediafüße hätten.
Neulich im Huthpark. Ich lauf mir die Lunge aus’m Hals. Überall Hunde und ihre Besitzer. Natürlich habe ich eine Riesenangst vor Hunden. Aber die hier, die wollen nur spielen. Sieht man den Besitzern an. Wie sie alle da stehen, die Hände in die Hüften gestemmt. Aus dem Knäuel in der rechten Hand baumelt ein Teil der Leine. Und dann tun die so überlegen, während sich ihre Köter einen Kackplatz suchen. Und dann schauen die einen an, als würden die sich fragen, wie jemand so blöd sein kann fünf runden im Huthpark zu laufen. Besser als sich von den Kackbedürfnissen seines Hundes steuern zu lassen. Aber ich kann sowas natürlich nicht sagen, weil die Tölen das wahrscheinlich riechen mit ihren super Geruchsorganen. Völlig unerklärlich sind mir diese Tiere. Ob die einen anbellen, -knurren, die Zähne fletschen oder nicht, das ist doch totale Willkür. Da lob ich mir doch so ein paar Alligatoren: alles klar, solang du nicht ins Wasser fällst.

Nachtrag: zweieinhalb Tonnen Bisskraft, hat ein ausgewachsenes Krokodil. Das sind zwei Mittelklassewagen, die über einen Fuß fahren.

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Ein Kommentar zu Der Konsum des Monsun

  1. marthaler sagt:

    Was für ein Supertext, Ati. Beweglich, schnell, überlegt, lustig … Schöner Anfang, heute Morgen!