Saalbachs Hintern klemmt

vorher
Es war an einem Abend im November oder Dezember. Wir planten eine Skifreizeit zu sechst. Vier Männer, zwei Frauen, alles Kollegen. Na, das wird doch bestimmt lustig, dachte ich in meiner Vorfreude, denn bei sechs Teilnehmern kann ich mich doch sicher mal ausklinken. Alle schwärmten vom Skifahrenskifahrenskifahren, als gäbe es keinen Sport, der es damit aufnehmen könne. Ich fuhr ja noch nie, fürchtete aber ich würde es gleich übertreiben. Das ganze Adrenalin und das Endorphin und das Atillin, was das wohl mit mir machen würde.
Am Ende des Abends steht das Ziel fest: Saalbach/Hinterglemm, das Skigebiet im Salzburger Land. In den nächsten Tagen finden wir eine Unterkunft in einem Ort hinter Hinterlemm. Drei Tage bevor es losgeht, sagen die beiden Frauen ab. Die eine ist krank. Die andere hat dadurch zumindest einen guten Grund nicht mitzufahren, nämlich als einzige Frau mit vier Männern zu reisen, aber den nennt sie natürlich nicht…

währenddessen
Es ist verdammtnochmal vier uhr morgens als J. mich abholt. Ich schmeiß meinen Kram in den Kofferraum seines Kombis, wir fahren los. Er ist aufgedreht und freut sich aufs Skifahren. Ich versuche gar nicht erst mitzuhalten und poofe zwischendurch immer mal weg, nur um aufzuschrecken, wenn er den neuen Minusgraderekord an seinem Bordcomputer abließt. „Minus neunkommafünf!“, ruft er im Spessart. Ich versuche irgendwas sinnvolles von mir zu geben, womit ich echte Schwierigkeiten habe, also schlafe ich danach wieder für zwölf Minuten. „Folgen sie der A3 für dreimillionen km.“, sagt die sonore Stimme des Navigationssystems. Ach ja, das klingt doch supi…

eine skipiste

Jetzt mal schneller:
Ankunft um zehn. Ausrüstung mieten, Kurs buchen, Ins Hotel fahren, umziehen. Zwölf Uhr treffen mit den anderen beiden. Meine Ski sind einhundertachtunddreißig zentimeter kurz. Alle lachen. Ein Uhr Skikurs. Frank aus Holland ist mein Lehrer. Ich lerne schnell. Früher Abend, bisschen Schneepflug üben. Apres-Ski im Goaßstall. „Bei uns san die Weiber geil!“ Schnell ins Hotel. Abendessen, fünf Gänge. Supersuppe, das ist erstmal geil! Nächster Tag. Drei Tage Skipass. Den ganzen Tag auf einer Minipiste. Hochrunterhochrunterhochrunter. Adrenalinstand: hm… Schätzungsweise minusneunkommafünf, bisher.
Später traue ich mir zu das steile Miststück ganz links runterzufahren. 54% steht auf dem Schild. Ich falle mehr als einmal, aber alles relativ sanft. Apres-Ski in so einem kleinen Notbehelf von Bierzelt am Fuße der Piste. Hier sind auch alle geil und tanzen auf den Tischen. F. und ich fahren nochmal die Piste bei Flutlicht runter. Er legt sich im flachen Teil auf’s Maul, nachdem er einen Sturz von mir fotografiert hat. Wahrscheinlich hat er eine Rippenprellung. Nach dem Abendessen gehen wir aus. F. kommt nicht mit. Erst sind wir im Wolfs, wo alle geil sind und dann im London Pub, wo alle vierzehn sind. Musik ist ganz okay, im London Pub.

aufm zwölferkogel

Am Dritten Tag stehe ich um kurz nach zehn auf dem Gipfel des Zwölferkogel und fahre mit meinem Skikurs nach unten. Richie, der Lehrer, hat alles im Griff, die alte Socke. Nachmittags fahre ich die Piste zweimal alleine. Adrenalin: bissi schon. Beim Abendessen ein unfassbar beschissenes Lied. Dessen Text lautet: „Du heißt Marie und i Bumsdi“ Keiner der Hotelangestellten kommt auf die Idee, es wegzumachen, bevor eine junge Mutter darum bittet. Ich klinke mich für die Abendveranstaltung aus, bleib im Hotel und schlafe.

windgeschwindigkeiten von 85 kilometer pro stunde.

Denn der Skikurs geht am nächsten Tag weiter. Alles passiert von selbst. Ich bin ein ungeduldiger Passagier, den weder Flughöhe noch Geschwindigkeit interessieren, ich will nur noch landen. Parallelschwung. Stockhilfe. Gäht’s halt a mol in die Kniä! Mir gähn ja so gut’s gäht. Apres-Ski in Saalbach. Ratet mal wer geil ist? Quatsch machen macht da noch am meisten Spaß. Schneebälle werfen zum Beispiel. Scherben in Fs Schneeball. Blutige Hände. Reparatur in einer Kneipe. Ich frag mich, ob auch Christian geil ist, wenn er auf einer Skifreizeit ist. „Ey Ati, Skifahren ist total geil.“ Jetzt glaub ichs. Abendessen ohne Bumsen. Dann Wolfs und London Pub. Gleiches Bild. Geil, besoffen, vierzehn.
Letzter Tag. Halbtagespistenpass. Zehnerkogel? Keine Ahnung, irgendein Berg. Hochrunterhochrunterhochrunterhochrunter… Gondel, Sessellift, Skipass, Piep, Drehkreuz, Eisplatte: chhhhhrrt, Mittelstation, Bergstation, Talstation, blaue, rote, schwarze Piste, Geil!

Nach Heim
„Folgen sie dieser Straße für einhundertachtundzwanzig Kilometer.“, sagt die sonore Stimme des Navigationssystems und es hört sich an wie „Folgen sie der Straße solange sie wollen, sie kommen doch eh nie an.“

Motto für folgende Skifreizeiten: Ich! Fahre! Schneepflug!

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4 Kommentare zu Saalbachs Hintern klemmt

  1. christian sagt:

    beim nächsten mal dem christian bescheid sagen (du sack kennst doch das thema meiner 1. exab), lernen und staunen, adrenalin kommt am steilhang, vereist, du, in der falllinie, danach auch geil.

  2. ati sagt:

    Heißt das eigentlich Schneepflug oder Skiflug oder was ist das überhaupt für ein Wort. Und wenn es verpönt ist, warum wird es dann jedem Anfänger begebracht?
    Ich verstehe irgendein Prinzip nicht, fürchte ich…

  3. christian sagt:

    ja, bin beim skifahren immer ziemlich geil.

  4. Simi sagt:

    Lustig, wir waren eine Woche zuvor Skifahren und für Tomato war’s auch das erste Mal… War genauso’n Wetter.
    Freu‘ mich, dass es Dir gefallen hat – freu‘ mich mehr über Deinen Bericht, der mich hat lachen gemacht.