Podcast mit Tine

Mit Tine Nowak habe ich mich neulich für den Podcast Kulturkapital über digitale Schriften und anderen Kram unterhalten.

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gesümée

Mal sehen. Zwei Wochen unterwegs. Erst die Matinée im Nibbienischen Gartenhaus. Schöne voll. Das Maui-Ding bewährt sich. Adi ist fabelhaft drauf. Matthi ist fabelhaft drauf. Das macht Spaß!

Am nächsten Tag nach Saarbrücken. Siebdrucken. Schablonen, Wachsmalstifte, Tusche – sehr analog. Donnerstag Nachmittag mit dem Flugzeug nach Hamburg. Am Freitag Vortrag halten. Nach dem Vortrag mit dem Auto nach Berlin. Am Samstag Abend mit dem Zug nach Frankfurt. Sonntag ein paar Stündchen mit H.. Montag nach Saarbrücken. Freitag zurück. Am Sonntag Umbau der Wohnung.

Was mache ich da überhaupt? Was ist auf der Welt passiert? Ist nicht Roger Willemsen gestorben? Schwappt nicht gerade diese braune Suppe über uns zusammen? Was für ein Getröte aus allen Richtungen, bringt die ganze Scheiße auch noch zum Blubbern.

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aeon

Im ICE auf der Fahrt nach Berlin. Gegenüber sitzen zwei Quatschnudeln. Sie reden Deutsch und Türkisch. Ich setze die Kopfhörer auf. Zwischen zwei Liedern fragt die eine: „…und redet ihr dann Griechisch oder Arabisch.“
Was?
„Was bist’n du für’n Gemisch?“, frage ich und setze die Kopfhörer ab.
Aus Zypern, kommen ihre Eltern, sagt sie. Der Vater Syrer, die Familie der Mutter aus Griechenland. Nachdem sie in Zypern waren, haben sie eine Zeit lang in Syrien gelebt, sind dann in die Türkei gezogen, Nahe der syrischen Grenze bei Aleppo. Schließlich sind sie in Karlsruhe gelandet.
„Ist ja irre!“, sage ich. „Und du etwa auch?“, frage ich die andere. Nee, sie komme aus der Türkei. Aus der Nähe von Tokat, was auf Türkisch auch Ohrfeige heißt. „Ich komme auch aus der Türkei“, sage ich. Ich frag sie weiter, wieso sie eben was abschätziges über die Türkei gesagt habe, ob sie die Türkei nicht möge. Doch schon, aber manches dort störe sie aber auch sehr. Zum Beispiel, dass sie, je älter sie werde, desto weniger so rumlaufen kann, wie sie das möchte. Eine Tante habe ihr gesagt, sie sähe aus wie eine Hure, mit ihren lackierten Fingernägeln. Zerrissene Jeans würden schon gar nicht gehen. Und die Eltern? Die seien total locker, aber würden schon ab und zu was sagen. Vor allem gehe es darum, dass das Familienbild gegenüber der Verwandtschaft aufrecht erhalten werden soll.
Als was sich die andere fühle, wollte ich dann wissen. Nichts ganz und von allem ein bisschen, es seien ja alle sowieso durcheinander gemischt, in Europa. So sei es bei ihr auch, sagt die andere. Wie es für mich sei. Na, auch so.
Wir reden über Religion. Die eine ist orthodoxe Christin, ihre Eltern sind einigermaßen gläubig. Sie eher nicht. Die andere ist Muslimin. Die Mutter ist ein bisschen gläubig, der Vater Atheist. Sie glaubt auch nicht so recht an Gott, findet ihren Vater aber oft zu streng, in seinem Nicht-Glauben. Sie findet, man sollte jedem seinen Glauben lassen. Ob ich gläubig wäre, wollen sie wissen. Ratet mal. „Nee, auf keinen Fall!“, ruft die Türkin.
Ich hätte den Eindruck, dass das Religiöse in der Türkei, seit Erdoğan an der Macht ist, präsenter ist. Zum Beispiel sei jede dritte Phrase eine religiöse Floskel, behaupte ich. Aber das stimmt, finden beide.

Der Zug hält, wir sind angekommen, steigen aus, reichen uns die Hand und bedanken uns gegenseitig für das Gespräch. Dann gehen sie in die eine, ich in die andere Richtung. Wie sie heißen, weiß ich nicht.

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komatös

Schlafrhythmus. Weiß nicht, wie oft ich dieses Wort zuletzt geschrieben habe. Zwölf mal vielleicht, vielleicht auch nur acht mal. Viel jedenfalls ist davon nicht zu halten, denn es gibt derzeit keinen.

Was für ein Ärger mit dieser Wut. Ich hätte gern einen Wutradierer. Aber gut, das ist ein alter Hut, den hätte jeder gerne.

„Strange Fruit“ spiele ich zur Zeit am liebsten vor mich hin. Als Bluesversion, nicht die Jazzversion von Billie Holiday und anderen. Reduziert, reduziert, reduziert, bis nur noch die Bitterkeit bleibt. Billie Holiday sagte über das Lied:
„… schaffte es, die Leute, die in Ordnung sind, von den Kretins und Idioten zu trennen.“

Ob man das als Weißer überhaupt singen sollte, fragte ich neulich. Aber Suna und Pedo unisono: Das hat ein Weißer geschrieben!
Stimmt. Es war Abel Meeropol aus New York.

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komiker

Flug um elf. Zweieinhalb Stunden später in Boston. Es ist eisig, windig, der Himmel klar. Achtzehn Uhr ins Bett. Im Traum ist David Bowie gestorben und Sahra Wagenknecht hat ihren Schleier für einen kurzen Moment gelüftet. Wir haben es zur Kenntnis genommen.
Um 2 Uhr wach. Veranstaltungen. Gesichter. „What are you doing here?“ Ja, was mache ich hier? Amerikanisches Essen: Ei, Fleisch, Käse, Diet Coke, immer. Nach ein paar Tagen Nasenbluten. Freitag Rückreise mit Fett auf den Lippen. Ausgetrocknet. Ankunft Samstag nach dreizehn Stunden morgens um fünf. Eine weitere Reise führt vom Gate zum Gepäckband, zu Fuß. Leere Straßen, leere Wohnung, leerer Kopf. Schlafen, aufwachen, Abdrücke vom Kissen im Gesicht.
Wochenplan angucken. Wo reise ich diese Woche hin? Erst am Samstag wieder.

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internationalist

Manchmal füllt sich die Leere mit Schwere.
Das klingt ganz schön blöd und ist nur wegen des Reims passiert. Es gibt keine Leere. Eher eine Ungewissheit, die gibt’s aber immer. Also, wo kommt jetzt dieser Druck auf der Brust her? Ganz normal, manchmal. Dagegen muss doch einmal tief durchatmen helfen. Ich gehe gleich eine Runde laufen.

Den Degenhardt übe ich jetzt seit einer Woche. Die Akkorde, na gut. Mit dem Text ist es schon schwieriger. Zusammen überhaupt nicht leicht. Vor allem muss man es ein bisschen durchpeitschen und dabei nicht zu dick auftragen. Fiese Pausen, weil die Sätze sich über die Musik legen, wie es die Musik verlangt, nicht, wie man es sprechen würde. Bei FJD war das schon zu seiner Art zu sprechen geworden, die schrägen Betonungen und Pausen bei seinen Bemerkungen zwischen den Liedern, als würde er die Sprache in Gedanken über eine fortwährende Harmonie und einen unaufhaltsamen 3/4-Takt legen.

Es ist der 7. Januar 2016, ein Jahr des Affen, sagen die Chinesen. Wird schon was bedeuten.

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wirrwarr

Am besten beschreibe ich Silvester mal so wie Lemmy das Jahr 1971:
„Das war eine super Zeit, der Sommer von 1971. Ich kann mich nicht an die Zeit erinnern – aber ich werde sie niemals vergessen.“

Und von Enzensberger kann man halten was man will, aber das hier ist klug. Auf eine Frage, zu seiner langen Ehe sagte er: „Man sollte seine Depressionen tunlichst für sich behalten.“

Nachricht von Top Floor Joe, der mich immer Mr Koran nennt.
Könnte aber auch die verschlüsselte Warnung eines Bomberpiloten an den IS sein.

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Arbeitstitel sind auf ihre Art wichtig, hier eine Auswahl:

Acteur de fleur, Fallhoehe, Kuhstall mit Pferd, Magma, Meteorit, Spirit Verschnitt, Nilpferd, Nacken, ich sag’s mal so, ich sag’s nur einmal, Deckenroller, L J Schmidtparade, Brustbeinbrummen, da geht der Hund, Luftschacht, Schiefer, schnelle Mode, Spaetvorstellung, Spalt, Standgas, wir haben eine wunderbare Zeit, von den Füßen, verkehrt herum, alles geht vorbei (bye bye), Diskokugelstoßer, Moloch, Langusten, Bluesbass, Schatteneleganz, Deutsche Nationalbibliothek, Neon, Bazzolette, Drama de Niro, Schlaumeier, Steve McQueen, oh oh oh.

 

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brimborium

Beim Erarbeiten der Benutzbarkeit eines Programms, wie beim schreiben von Musik und Text auch, hilft es sich gleich von Begin an vorzustellen, man würde jemandem, das, woran man gerade im Hirn arbeitet, erklären müssen. Zwangsläufig führt das in eine Denkschleife, dass man die Erklärung durchspielt und durchspielt, bis man sich nicht mehr dafür schämt. Manchmal aber, hat man was erarbeitet, legt es beiseite und kommt Tage später darauf zurück und schämt sich. Herzlichen Glückwunsch und weiter geht’s.

Seit ich wieder Kaffeefilter habe, schmeckt der Kaffee besser.

Das schwerste im Moment, ist die Auswahl der richtigen Lieder. Wo fange ich an? Was reizt mich am meisten? Nicht so viel nachdenken. Erstmal ein bisschen an der Masterarbeit rummachen und sich dann über die engere Auswahl knien, die ich gemeinsam mit Adi ausgesucht habe.

Und den Januar planen.

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rio granate

Seit ein paar Wochen schon ein seltsames und ziemlich starkes Gefühl der Verbundenheit mit diesem großen, hilflosen Giganten. Ich stöbere in seinen Texten und finde Perlen, finde Wiederholungen. Träume, Kälte, Sommer, du, ich. Was für eine Sehnsucht und gleichzeitig alles von sich stoßend.

Auch dabei, dieser Frankfurt Song auf einer B-Seite oder so:
Frankfurt, mein Frankfurt, mein Frankfurt Main.
Frankfurt, mein Frankfurt, mein Frankfurt hau rein

Wann wird man ihn wieder entdecken? Wann werden die ersten Castingshows seine Stücke einem Soulsänger auf den Leib schneidern? Der wird wahrscheinlich singen:
Nimm mich auf dem Kanapee
beiß mir in den großen Zeh
wichse auf den Lederschuh
Lass mein Arschloch nur in ruh

 

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mataharakiri

Was für ein schönes Buch! Wie fließend die Sprache, wie leicht, wie ironisch und lustig und nie boshaft. ‚Der Trafikant‘, von Robert Seethaler.

Verabredung in Wiesbaden. Neugierig. Nervös vielleicht auch. Aber es ist gänzlich unverkrampft und lustig. Glühwein rot/weiß. Zurück um 22 Uhr und endlich mal wieder zufrieden. So wenig braucht es dazu: Ein gutes Buch und eine klein bisschen Freude.

Im Schwimmbad. Ich will mir ja jetzt nicht diese ganzen Kilo wieder drauf fressen. Eitler Sack, zieh einfach deine Bahnen! Nein, es ist auch ein bisschen wegen der Schulter. Ehrlich. Und die Schulter ist eindeutig wieder lockerer.

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